Ende oder Anfang einer Reise?!

17. September 2017

Die Hafenarbeiten in Viktoria waren nach 1,5 Tagen beendet. Bereits 24 Stunden später liefen wir in Rio ein. Um an den Hafenkai zu gelangen, fuhren wir an der Stadt vorbei. So konnten wir einen Blick auf all die Sehenswürdigkeiten werfen, aus einer Perspektive die nicht jeder Tourist zu sehen bekommt.

Um 15.00 Uhr legten wir am Kai an und hatten anschliessend die Möglichkeit Rio gemeinsam in einem Kleinbus zu erkunden. Der 1. Offizier organisierte über den Grimaldiagenten einen Einheimischen, welcher uns zu den Highlights der Stadt führte. Wir besuchten das Fussballstadion, das Sambadrom und fuhren durch eine Favela zur Corcovado (Jesusstatue). Unterwegs warfen wir vom Mirante Dona Marta einen Blick auf die Stadt. Anschliessend ging es zur Copacabana und zum Altstadtviertel (Lapa), wo wir die berühmten Kacheltreppen hinaufstiegen. Auf der Rückfahrt zum Schiff kamen wir am Parlamentsgebäude, der Oper und dem Museum für moderne Kunst, dessen Gebäude für die olympischen Spiele 2016 errichtet wurde. Ich möchte an dieser Stelle kurz weitere Informationen zu dem Favelas in Rio geben. Insgesamt gibt es ca. 250 Favelas. In der grössten von ihnen wohnen 400‘000 Menschen. In den Favelas herrscht meistens einer der 3 grossen Drogenbarone von Rio. Rund 1% der Bewohner sind kriminell, das heisst arbeiten für die Drogenmafia. In der grössten Favela leben entsprechend ca. 4000 Kriminelle. Die meisten anderen Bewohner gehen arbeiten und leben von einem kleinen Einkommen. Fast alle Häuser verfügen über Wasser und Strom, welches illegal angezapft ist. Aufgrund der hohen Gewaltbereitschaft der Kriminellen zögert die Polizei nicht zu schiessen. Deshalb kommen in Favelas oftmals viele unschuldige Menschen ums Leben. Das grosse Problem von Rio…

Bereits am nächsten Morgen ging es weiter nach Santos. Leider mussten wir vor der Hafenstadt zwei Tage liegen. Brasilien feierte seinen Nationalfeiertag und die Arbeit wurde für zwei Tage niedergelegt. Grimaldi zahlt für die Kaibenutzung täglich mehrere tausend Franken, selbst wenn im Hafen nicht gearbeitet wird. Das Liegen ausserhalb des Hafens ist kostenlos. So hatten wir keine Möglichkeit an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Der Warenumschlag in Santos lief dann flott.

Drei Tage später waren wir in Zarate. Einer der grössten Häfen um Autos umzuschlagen. Fast die gesamte Ware kam von Board (über 2000 Autos und einige Container). Anschliessend wurde dieselbe Menge an Autos, wenn nicht sogar mehr wieder eingeladen. Zwei Tage dauerte dies. Somit war der letzte Tag auf See angebrochen. Am 16. September kamen wir in Montevideo an.

Die erste Etappe unserer Reise ist nun zu ende. Es ist Zeit eine Bilanz über das Leben an Board zu ziehen.

 

-      In diesen 6 Wochen regnete es an ca. 3 Tagen. Das wunderbare Wetter ermöglichte es oftmals an Deck zu sitzen und das Meer zu beobachten oder in der Sonne zu lesen. Somit wurden die anderen Räumlichkeiten fast nicht benutzt. Diese waren zwar gut ausgestattet und ebenfalls verhältnismässig gross, doch die Natur verfügte über bessere Argumente, um sich nach draussen zu setzen.

 -      Das Essen an Bord italienisch und somit gut. Der Koch muss Bäcker/ Konditor gewesen sein. Jeden Morgen gab es frische Brötchen, Foccacia und Süssgebäck. Ebenfalls das Mittag- und Abendessen war gut. Im Verlaufe der Zeit konnten wir jedoch keine Pasta mehr sehen. Wir freuen uns nun auf viel Gemüse, Kartoffeln und Reis.

 -      Mit uns an Bord waren zwei Franzosen und sechs Deutsche. Zu einem deutschen Paar entwickelten wir eine Reisefreundschaft, die sicherlich noch weiterhin bestehen wird. Die Stimmung an Bord war während den ersten Wochen gut. Im Verlaufe der Reise kam dann auch zwischen einigen Leuten eine Missstimmung auf. Wir jedenfalls genossen die Zeit an Bord und die vielen interessanten Gespräche.

 -      Der Service an Bord war ausgesprochen gut. Der Messman und Messboy kümmerten sich jederzeit um unsere Anliegen und reinigten unsere Kabinen täglich. Sie waren stets freundlich und freuten sich riesig über unsere Schokolade. Stefan ging an einem Abend mit dem Messman aus. Seitdem besteht zwischen den beiden eine Freundschaft. Wir werden ihn wohl auf unserer nächsten Reise auf den Philippinen besuchen.

 Das Schiff verfügte über einen Frisör, der sich die Haarschneidekünste selbst aneignete. Er schnitt Stefan die Haar ausgezeichnet.

 -      Die Crew war zu Beginn der Reise etwas distanziert. Wir hatten keine Möglichkeit die Schiffsbrücke zu besuchen, die Containerladetätigkeiten zu beobachten oder einen Rundgang durch das Schiff zu unternehmen. Mit dem Wechsel des Kapitäns änderte sich dies ein bisschen. Wir durften die Brücke jederzeit betreten (ausser der Pilot war an Bord). Die Besatzung freute sich jeweils über die Gespräche und gab breitwillig Auskunft. Ebenfalls führte uns der 1. Offizier durch das Schiff und wir konnten die Ladetätigkeiten beobachten. Die Absperrung wurde wegmontiert. So erhielten wir einen spannenden Eindruck in das Leben eines Seemannes.

-      In Europa und Südamerika hatten wir in den Häfen jeweils die Möglichkeit von Bord zu gehen. Das Verlassen des Hafengeländes war jeweils unkompliziert und bis auf Zarate konnten wir mit einer schlechten Kopie unseres Passes das Land betreten.

 -      Unser Fahrzeug stand festgebunden immer an derselben Stelle. In Afrika durften wir es nicht bewachen. Die Crew kontrollierte streng die Zugänge zum Schiff und beobachtete streng das Treiben an Board. Die Fahrzeuge standen nie unsicher!

 -      Und zum Schluss: Uns wurde es tatsächlich nie langweilig!

 

Nun befinden wir uns bei den beiden Schweizern (Paraiso Suizo), welche uns die Fahrzeugversicherung organisiert haben. In diesem kleinen Paradies richten wir das Fahrzeug für die Reise fertig und holen uns letzte hilfreiche Tipps. Ein klein bisschen werden wir noch in Uruguay unterwegs sein und ca. Anfangs Oktober in Argentinien Richtung Süden fahren.

 

Über 4 Wochen auf See

30. August 2017

Heute Mittag liefen wir bei schönem Wetter in Viktoria ein. Bereits 28 Tage sind wir nun unterwegs. Unseren Tagesablauf auf See wurde weitgehend durch die Essenszeiten bestimmt. Ansonsten genossen wir die unendlich viele Zeit. Wobei so unendlich schien sie uns gar nicht. Jeden Abend lasse ich den Tag in meinem Reisetagebuch revue passieren. Wenn ich zurück blicke, denke ich jeweils, dass uns die Zeit an Board ewig vorkommen sollte. Stundenlanges Lesen, aufs „Meer blicken“ und Spanisch lernen, ab und zu mal eine Sportsequenz! In dieser ganzen Zeit kam jedoch bei keinem von uns Langeweile auf.

In Europa sorgte das Treiben in den Häfen für Abwechslung. Mit modernster Technik wird ent- und beladen. Riesige Gefährte fahren ununterbrochen umher und stapeln die Container. Der Fahrer sitzt in ca. 8 Meter Höhe und fährt seitwärts. Je nach Bodengegebenheiten schwankt das Ganze ganz schön. Ebenfalls die riesigen Kräne, welche Container beladen, sind auf einen effizienten Warenumschlag ausgelegt. Neben den Containern führt die Grande Amerika Neuwagen sowie Schrottautos mit. Das Beladen dieser Fahrzeuge ist weitaus spannender. Die Hafenarbeiter scheinen grossen Spass bei ihrer Arbeit zu haben. Mit quietschenden Reifen fahren sie um die Kurven und beim Zuschauen hast du den Eindruck, dass du dich an einem Hafenralley befindest. Die alten Kisten werden nicht mit Samthänden angefasst. Autos, die nicht anspringen, werden mit Puschern aufs Schiff geschoben. Die Warenumschläge in Tilbury und Antwerpen dauerten alle 2,5 Tage. Somit waren wir bereits nach Europa mit Verspätung unterwegs.

Etwas anders ging es dann in Dakar und Freetown in den Häfen zu und her. Die Container mussten mit dem schiffseigenen Kran umgeladen werden und mit einem sehr gemächlichen Tempo wurden alle alten Autos entladen. Die Arbeiter sind gemütlich unterwegs. Alle ca. 5-10 Minuten kam ein Auto aus dem Schiffsbauch. Dazu muss noch gesagt werden, dass jedes Auto penibel untersucht wird. Auf Schäden, auf Schmuggelware oder auf mögliche Diebstähle…?! letztendlich wissen wir es nicht. Vor dem Hafen von Dakar lagen wir fast zwei Tage auf See. Grimaldi verfügt über zwei Terminals, wobei das eine durch die Grande Nigeria belegt ist. Diese riss sich bei einem Sturm von den Leinen und beschädigte mehrere Schiffe. Nun wird das Schiff im Hafen festgehalten, bis der entstandene Schaden bezahlt wurde. Angeblich befinden sich die Parteien in einem Rechtsstreit. Deshalb kommt es zu Wartezeiten. Als wir aus dem Hafen ausliefen, lagen bereits 3 Grimaldischiffe vor der Küste. Da hatten wir Glück gehabt!

Auch in Freetown ging es gemütlicher zu und her. Der Hafen ist klein. Auch hier mussten wir einen halben Tag auf einen Liegeplatz warten. Im Vergleich zu Dakar ist dies hier noch einmal eine ganz andere Welt. Die Blechhütten auf den Müllbergen verdeutlichen die Armut dieses Landes. Ebenfalls die riesige Schlammlawine, welche vor einer Woche in Freetown viele Häuser zerstörte und hunderte von Menschen tötete ist noch zu sehen. Wir stehen an Deck und fühlen uns hilflos. Wenn man dann noch bedenkt, wie sich die Arbeiter, welche die Schrottwaren abladen und die hinter verschlossenen Gitter all die Neuwagen, den Wohlstand anderer Länder sehen, fühlen, wird einem elend.

Wir waren alle froh, als wir ohne Zwischenfälle den Hafen verlassen konnten. Damit alles glatt läuft, wird gerade in Afrika und auch in Südamerika der Zoll sowie der Hafenagent geschmiert. So konnten wir mehrmals beobachten, dass die Leute nach den üblichen Hafenverhandlungen mit Paletten von Süssgetränken, Zigaretten und wohl auch Alkohol das Schiff verliessen. Nach Dakar und Freetown wurde das Schiff nach blinden Passagieren durchsucht.

Aber auch auf hoher See sorgt immer wieder mal ein Ereignis für Abwechslung. Mehrmals fand eine Evakuierungsübung statt. Ausgerüstet mit Schwimmweste, Überlebensanzug und Helm mussten wir uns bei der Muster Station sammeln. Vor Dakar überprüften sie die Funktionstüchtigkeit der Rettungsboote und liessen diese am Schiff hinunter. Ich hoffe, dass wir sie in den verbleibenden zwei Wochen, in der wir uns noch an Board befinden, nicht zum Einsatz kommen. Bereits beim Zuschauen wurde mir schlecht. Diese Boote rasen mit einer grossen Geschwindigkeit Richtung Wasser. Es sah aus wie auf einer Achterbahn! Spätestens zu diesem Zeitpunkt würde ich seekrank werden. Auf dem Atlantik erlebten wir übrigens mehrmals eine unruhige See. Das Schiff schwankte in alle Richtungen. Ich glaube, dass man im Verlaufe einer Schiffsreise seefest wird. Uns beiden wurde nicht übel. Im Gegenteil, wir schliefen noch besser als sonst.

Auch Feste sorgten für eine Abwechslung. So feierten wir mit einer grossen Torte den Geburtstag eines Mitreisenden. Ebenfalls veranstaltete der Kapitän ein Barbecue an Board. Die Tische und die beiden Grills wurden am Tag zuvor extra noch geschweisst. Neben einem Spanferkel gab es Poulet, Würste, Langusten und Schrimps. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung.

Auf hoher See zeigte uns der erste Offizier einmal die oberen Decks, auf welchen die Neuwagen stehen. Unglaublich was da alles für Fahrzeuge stehen. Da möchte man sich glatt eines aussuchen. Vom Mercedes über Land Rover, Range Rover, BMW, Audi bis zu Porsche stehen nur die teuersten Autos da. Der gesamte Warenwert, welcher ein solches Schiff transportiert beträgt mehrere Millionen. Ebenfalls den Maschinenraum durften wir unter der Leitung des ersten Maschinenoffiziers besichtigen. Bei Fahrt auf See lud der Kapitän jeweils um 10.00 Uhr zum Kaffee ein.

Nun verbleiben uns noch ca. 14 Tage bis Montevideo. Unsere Reise dauert etwa 7 bis 10 Tage länger als üblich. Durch die Tätigkeiten in den Häfen ergaben sich Verspätungen. Wir freuen uns auf die noch vor uns liegende Zeit an Board und sind uns beide sicher, dass diese uns schon ein wenig fehlen wird.

 

Jeder Tag ist Montag

19. August 2017

Die Crew war lange Zeit mit dem Schiff in Afrika unterwegs. Auf dieser Route werden kaum Passagiere mitgeführt. Deshalb verhält sich die Crew wohl auch etwas reserviert. Mit viel Geduld und Feingefühl kann dennoch ein Gespräch mit der Offiziersmannschaft aufgebaut werden.

So entwickelte sich eines Morgens vor dem Frühstück ein Gespräch mit dem 2. Offizier über die Arbeit und das Leben an Board. Ich genoss die Ruhe, die Einsamkeit und die Weiten des Meeres. Der 2. Offizier rauchte seine Zigarette und der Deck Cadet winkte mir zu. Ich wurde zum Kaffee eingeladen und folgte den Erzählungen über ihre Tätigkeiten. Jeder Tag sei wie ein Montag. Im Verlaufe einer Überfahrt ändere sich der Einsatzplan kaum. Morgens um 4.00 Uhr beginnt die Schicht. Immer zu dritt stehen sie auf der Brücke, ein Offizier, ein Cadet und ein Steuermann. In den nächsten vier Stunden sind sie für die Steuerung des Schiffes verantwortlich. Sich in den ersten Stunden, bei Dunkelheit wach zu halten, sei hart. Eine viertsündige Schicht sei nur mit 8 Espressos zu überstehen. Dass man anschliessend wach ist, verstehe ich sehr gut. In einer Tasse befinden sich mindestens zwei bis drei Teelöffel Zucker. Die Technik hat in den letzten Jahren den Seemännern viel Arbeit abgenommen. Im Prinzip muss die Crew den Boardcomputer überwachen und darauf achten, dass ihr Kurs zu keinen Kollisionen mit anderen Schiffen führt. Auf hoher See sei dies ziemlich langweilig, weil nur wenige Schiffe unterwegs seien. In Küsten- und Hafennähe sei es etwas interessanter. Um acht Uhr geht das Trio Frühstücken. Oftmals sehen wir die drei noch. Unser Frühstück beginnt um 7.30 Uhr und um 8.00 Uhr nehmen wir oftmals unseren zweiten Kaffee zu uns. Nach dem Frühstück erledigt der Offizier Schreibarbeiten. Was genau da alles anfällt, hat er mir nicht verraten. Nach dem Mittagessen hat er Zeit für sich und sei oftmals in seiner Kabine. Nachmittags steht er von 16.00 Uhr bis 20.00 Uhr nochmals auf der Brücke. Nach dem Abendessen lege er sich sofort ins Bett. Um 3.30 Uhr müsse er ja schon wieder aufstehen. Der Tagesablauf der Crew würde sich im Hafen kaum ändern. Anstatt auf der Brücke zu stehen überwachen sie in dieser Zeit die Ladetätigkeiten. Je nach Hafen muss der Zugang zum Schiff und der Umgang mit der Ware streng überwacht werden. Etwas traurig erzählt der 2. Offizier mir noch von seinem Zuhause in Italien. Er habe eine 12 jährige Tochter, welche er nur in seinen Ferien sieht. Normalerweise sei er 4 Monate auf See und anschliessend 2 Monate bei seiner Familie. Momentan verbringen seine Frau und sein Kind die Ferien am Strand. Wenn er im Oktober aus Südamerika zurückkomme, seien die Ferien fast um. Vor 26 Jahren habe er die Ausbildung auf dem Schiff mit viel Freude begonnen. Wie ihm die Arbeit heute gefällt verschweigt er. Viele Leute haben das Gefühl, er habe die ganze Welt gesehen. Dies stimme jedoch nicht. In den Häfen hat er kaum Zeit das Schiff zu verlassen. Er sei vielen Orten gewesen, aber eben auch nicht. Es ist ihm anzumerken, dass ihm die Familie fehlt. Ich bin mir nicht sicher, ob er nochmals denselben Beruf wählen würde.

Auch unsere Tage auf See sind fast immer wie Montage. Bei schönem Wetter sitzen wir draussen, lesen, lernen Spanisch, planen unsere Reise, diskutieren mit den Mitreisenden, holen uns bei den anderen Passagieren Tipps, spielen, puzzeln, schauen auf das Meer (sahen bereits vor der Küste Portugals Wale, Delfine, fliegende Fische) und geniessen die Zeit mit Nichtstun. Regnet es, findet der Montag einfach im Innern, im Aufenthaltsraum statt.

Etwas Abwechslung erleben wir in den Häfen. Gespannt schauen wir jeweils zu, welche Güter ent- und beladen werden. Dazu ein anderes mal mehr!

Wir sind nun zwei Wochen auf der Grande America. Wir haben uns weder gelangweilt, noch wurden wir seekrank. Die letzten drei Tage war der Seegang etwas stärker, sodass das Schiff ordentlich schaukelte. Erstaunlich, wie sich unsere Körper daran gewöhnt haben. Wir werden das Schaukeln wohl dann in Montevideo an Land noch spüren. Momentan befinden wir uns auf der Höhe der Sahara. In zwei Tagen werden wir in Dakar sein.

 

Mann an Board

9. August 2017

Der O‘swaldkai liegt in Hamburg etwas hinter der Elbphilharmonika. Das Treiben am Hafen ist gross. Ununterbrochen werden Holz, Autos und Container auf die Schiffe geladen. In kürzester Zeit standen auch wir im Hafengelände vor der Grande America. Die Leute bei der Anmeldung waren sich zwar zuerst etwas uneinig, an welchem Schalter wir uns nun zu melden hätten. Doch letztendlich lief alles glatt und ein Shuttle führte uns zum Schiff. Unseren Landy mussten wir erstmals stehen lassen. Mit einer ersten Ladung Gepäck führte uns der „Messman“ in unsere Kabine. Diese ist grösser als gedacht. All unsere Dinge können problemlos verstaut werden.

Leider durften wir uns noch nicht gross umschauen, da wir jederzeit erreichbar sein sollten. In den Gängen führten wir erste Gespräche mit den Leuten, welche mit uns an Board gingen. Ich glaube, dass wird eine spannende Zeit werden. Es reisen zwei Paare mit, welche bereits über etwas mehr Reiseerfahrung verfügen als wir. Gemeinsam mit ihren LKW’s waren sie bereits an unterschiedlichsten Orten unterwegs. In Antwerpen werden noch zwei weitere Paare hinzusteigen. Nachmittags durften wir unseren Landy auf Deck sechs parkieren und uns anschliessend umschauen. Momentan ist noch viel Platz auf Deck und wir können uns frei bewegen. In Antwerpen sollen hier Gebrauchtwagen für Afrika hingestellt werden. Mit dem gemütlichen Sonnen wird’s dann wohl nichts mehr. Ich könnte stundenlang da sitzen dem Treiben unten auf der Brücke oder im Hafen zuschauen! Wie wird es wohl in den anderen Häfen aussehen?

Das Schiff sollte zwischen 20.00 Uhr und 23.00 Uhr auslaufen. Das diese Zeitspanne nicht eingehalten werden kann, wurde uns allen rasch einmal klar. Wir hätten so gerne den staunenden Leuten unten am Steg zugewunken. Bis um halb ein Uhr standen wir auf Deck und als sich dann plötzlich nichts mehr tat, beschlossen wir zu Bett zu gehen. Auf der Elbe kann sich jeweils nur ein Schiff dieser Grösse bewegen. Bis zur Meeresmündung sind es ca. 100km. Wenn ein Schiff mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 Knoten fährt, braucht es für diese Strecke 5 Stunden. Wir hätten also die ganze Nacht warten können und es wäre nicht sicher gewesen, ob wir in dieser Zeit auslaufen werden. So legten wir uns ins Bett, mit der Überzeugung, dass uns der Schiffslärm oder die Bewegung sicherlich aufwecken würde. Dies tat er dann auch. Leider eine halbe Stunde zu spät. Als wir auf Deck standen, lagen die Lichter der Stadt bereits hinter uns. Die Skyline war glücklicherweise noch sichtbar, nur zogen wir nicht mehr an den berühmten Gebäuden vorbei. Dennoch war es sehr eindrücklich. Das Schiff legte etwa um 2:45 Uhr ab. Um 3:15 Uhr standen wir an Deck…

Die Möglichkeiten an Deck sind beschränkt. Den Passagieren steht neben dem Aufenthaltsraum, der Offiziersraum sowie ein Sportraum zur Verfügung. Den ersten Tag an Board verbrachten wir mit Lesen, Spanisch lernen, Sport im Fitnessraum, Schiffe beobachten und interessanten Gesprächen. Es ist ein ungewohntes Gefühl, einmal so viel Zeit zu haben. Es ist schön, sich für Dinge, welche im Alltag oftmals zu kurz kommen (bei mir ist dies beispielsweise das Lesen) einmal Zeit nehmen zu können.

Morgen werden wir in Tilbury (Frachthafen von London) sein. Der folgende Hafen, welchen wir ansteuern, wird Antwerpen sein. Anschliessend erleben wir das Leben auf hoher See!

 

Färnweh!

6. Juli 2017

Zwar nicht mit der Fähre sondern mit dem Frachtschiff werden wir unsere Reiselust „behandeln“. Wenn wir wohl zu Beginn unserer Reiseplanungsphase gewusst hätten, wie viel Mut es wirklich braucht zu gehen, ich glaube wir hätten diese Reise nicht angetreten. Ich wusste nicht, dass das Unbekannte so starke Gefühle auslösen kann. Wir waren beide zwar schon unterwegs, liessen jedoch Familie und Freunde noch nie für eine solch lange Zeit zurück. Wie wird es wohl sein, wenn wir zurückkommen? Was wird sich alles verändert haben? Aber solchen Fragen sollten wir uns eigentlich nicht widmen. Voller Freude sollten wir auf das Kommende schauen. Dies tun wir auch. Nur eben mit gemischten Gefühlen.

Die letzten beiden Tage reisten wir nach Hamburg. Eine ziemlich unspektakuläre Reise auf der Autobahn, welche immer wieder durch Baustellen unterbrochen wurde. In Essel legten wir unseren ersten Zwischenstopp ein und verbrachten dort die Nacht in einem wunderschönen Bed and Brekfast auf dem Lande. Durch die Lüneburger Heide ging es am nächsten Tag nach Hamburg. Wunderschöne Gegend, die wir unbedingt einmal mit dem Fahrrad erkunden sollten. Die Idylle verschwand dann in der Hamburger Stadtnähe etwas. Die Suche nach einer geeigneten Unterkunft erwies sich als weitaus schwieriger. Schliesslich wollten wir unseren Landy nicht einfach irgendwo in der Stadt stehen lassen. Alles war zu teuer, zu unsicher (Gegend) oder bereits besetzt. Letztendlich klappte es dann doch. Den Landy parkten wir vor ein teures Hotel und bewohnten das etwas günstigere Hotel in der Parallelstrasse.

Den heutigen Tag verbrachten wir in Hamburg. Früh morgens besuchten wir den Fischmarkt. Klar liessen wir uns die feinen Fischbrötchen nicht entgehen. Auf einer Free Walking Tour durch die Altstadt lernten wir viel über die Geschichte der Stadt. Aufgrund des Grossen Brandes sowie des Zweiten Weltkrieges sind die ältesten Gebäude nicht in der Altstadt sondern in der nebenan grenzenden Neustadt zu finden. Viele Dinge aus der Geschichte Hamburg können aufgrund der mangelnden Dokumente nur angenommen werden. Es scheint, als hätte sich die Stadt ihren Reichtum erschummelt. Die Tour war so gut, dass wir am Nachmittag noch eine zweite durch das St.Pauli Viertel und die Reeperbahn machten. Auf dieser erhält man Informationen zum Hafen sowie zum Rotlichtmilieu Hamburgs. Diese ist ebenfalls sehr zu empfehlen.

Als wir am Treffpunkt der zweiten Tour standen, fuhr ein riesiges Containerschiff an uns vorbei. Stef realisierte als Erster, dass es sich bei diesem um „unser Schiff“ handelte. Gemächlich, in Begleitung zweier Schlepperboote tuckerte die Grande America an uns vorbei. Unsere Herzschläge erhöhten sich. Plötzlich war da unserer Reise noch ein ganzes Stück näher gerückt. Morgen werden wie Container abgeladen sowie das Schiff neu beladen werden und wir mit an Bord sein. Nun war sie da, die grosse Vorfreude auf das Kommende. Wir standen am Elbenufer und staunten. Unseren Gesichtern konnte ein grosses „Smile“ entnommen werden. Morgen wird es los gehen!