Im Lande der Gauchos

27. September 2017

Die Schweiz Südamerika, wie Uruguay genannt wird, bereisten wir etwas weniger als zwei Wochen. Nach der Schiffsreise wollten wir einen ersten Eindruck dieses Kontinents und seinen Leuten gewinnen, bevor es dann in die etwas entlegenen Gebiete Argentiniens weitergeht. Tatsächlich konnten wir in dieser Zeit einige Parallelen zur Schweiz feststellen. Das Land ist sicher, die Vegetation abgesehen von der Küste ähnlich und überall sind Kühe anzutreffen. Schaut man etwas genauer hin, so sind dennoch viele Unterschiede festzustellen. Uruguay ist ca. 4x so gross wie die Schweiz. Die etwa 3,3 Millionen Menschen wohnen grösstenteils in der Stadt und träumen vom Leben eines Gauchos. So wird heutzutage der Landwirt genannt, welcher tagelang im Sattel sitzt und seine Viehherden betreut. In Uruguay gibt es über 12 Millionen Rinder. 4x mehr Tiere als Menschen! Diese grasen in den unendlichen Weiten des Landes. Alle Fleischprodukte, die hier gekauft werden können entsprechen unserem Bio-Label. Die Tiere sind das ganze Jahr draussen, werden weder gefüttert noch mit Medikamenten behandelt. Zirka 1 Hektare steht jedem Tier zur Verfügung, sodass das Land immer genügend Nahrung liefert. Das Fleisch schmeckt hervorragend.

Am meisten lernten wir jedoch die Leute des Landes schätzen. Uruguay hat fast keine Landschaftlichen Highlights. Das was das Land faszinierend macht, sind die Menschen. Wir waren von ihrer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft überrascht. Steigst du auf einer Schotterpiste aus dem Fahrzeug, um ein Foto oder einen Fahrerwechsel zu machen, wirst du sofort gefragt, ob du Hilfe brauchst. Überall winken sie dir zu und lächeln dich freundlich an. So passierte es uns einmal, dass wir aus Versehen mitten in ein Militärgelände fuhren. Als wir es realisierten, lachten uns die bewaffneten Männer zu und liessen uns einfach weiterfahren. Ich bin schon mitten in den Erlebnissen…

Die ersten drei Tage nach der Ankunft verbrachten wir in der Nähe von Piriapolis. Wir richteten uns ein und organisierten uns noch neue Nummernschilder. Um einen Diebstahl zu vermeiden, liessen wir uns bei einem Grafiker neue Schilder machen. In Südamerika müssen nur die Buchstaben und Ziffern auf dem Schild stehen. Wie es sonst aussieht ist egal. So war das Erstellen eines Doubels ziemlich einfach. Anschliessend fuhren wir der Küste entlang nach Chuy. Unterwegs besuchten wir Punta del Este und die Sanddünen von Valizas. Die ganze Küste ist normalerweise ziemlich touristisch. Da hier jedoch noch Winter ist, waren viele Restaurants und Shops noch geschlossen. Alles kommt ein wenig verlassen vor. Umso schneller waren wir dann in Chuy.

Chuy ist eine Grenzstadt zu Brasilien. In dieser kann Zollfrei geshoppt und vor allem sehr günstigen Diesel eingekauft werden. Durch die Stadt führen zwei Parallelstrassen, die Calle Brasil auf der uruguayischen Seite und die Calle Uruguay auf der brasilianischen Seite. Die Calle Brasil ist geteert, die Calle Uruguay ist eine Piste. Klar fuhren wir auf der Piste durch ein kleines Stück Brasilien. Die Leute waren auch hier unglaublich freundlich. Der Tankwart hat, als er vernommen hat, dass wir aus der Schweiz stammen, uns gleich eine Flasche Cola und Schokolade geschenkt.

Da wir die Stadt wieder Richtung Uruguay verlassen wollten, machten wir an der Grenze keine Zollformalitäten. Wir dachten auch, dass wir unsere Pässe nicht vorzuweisen gebrauchten. Doch plötzlich standen wir an einer Grenzstation. Der Zöllner verlangte nach unseren Ausweisen. Wir reichten ihm die Kopien, welche er ein wenig irritiert betrachtete. Da fehle ja der Einreisestempel! Mit all unseren Spanischkünsten erklärten wir ihm, dass wir nicht gewusst hätten, dass an dieser Stelle die Originale gezeigt werden müssten. Diese seien in unserem Sicheren Versteck und müssten ausgebaut werden. Wir durften dann auf einen Platz neben der Grenzstation fahren und unsere Dokumente „ausbauen“. Geduldig liess uns der Zöllner machen und empfahl uns noch weitere Sehenswürdigkeiten in Uruguay.

Von nun an ging es durch die Pampa. Wir besuchten die Quebrada de los Cuervos und das Stauwerk des Rio Negro bei Paso de los Toros. Unterwegs begegneten wir immer wieder den Gauchos, welche die Vieherden durch die Gegend trieben. Mich faszinierten die Kinder, welche egal wie alt, wie die ganz Grossen mitarbeiteten. Stolz sassen sie jeweils auf ihren Pferden. Die Gauchos winkten uns jeweils freundlich zu. Am liebsten wäre ich mitgeritten. Dies werde ich sicherlich einmal! Sei es in Argentinien oder sollten wir nach Uruguay zurückkehren, dann sicherlich dann.

Über Nueva Helvecia (ehemalige schweizer Kolonie), Colonial de Sacramento (älteste Stadt Uruguays) ging es am Rio Uruguay entlang zur Grenze nach Fray Bentos. Diese überquerten wir rasch. Der Zöllner half uns freundlich bei den Formalitäten und gerade einmal eine halbe Stunde später standen wir auf argentinischem Boden. Durch das Delta „Entre Rios“ fuhren wir nach Buenos Aires. Bei Christian von „Anden Road“ stehen wir nun drei bis vier Tage, um Buenos Aires zu besichtigen und unser Fahrzeug auf Vordermann zu bringen.