Ein schier endloses Umbauprojekt!

Seit dem Sommer 2016 beschäftigen wir uns mal mehr, mal weniger mit unserer Reise. Die Verschiffung, organisiert von Globoship, musste bereits sehr früh gebucht werden, da diese Schiffsreisen gemeinsam mit dem eigenen Fahrzeug zu dieser Zeit sehr beliebt und rasch ausgebucht sind. Momentan werden wir am 20. August von Hamburg nach Montevideo auslaufen. Da der Termin nach der Schiffsfracht gerichtet wird, wird sich dieser in den nächsten Monaten sicherlich noch etwas verschieben. Etwa einen Monat vor unserer Reise, wird der definitive Termin stehen. Ich hoffe, dass er sich etwas gegen Ende August verschiebt. Obwohl wir fast jedes Wochenende mit dem Umbau unseres Autos beschäftigt sind, wird die Zeit bis alles fährt und eingepackt ist, wohl eher knapp. Dies braucht besonders meinerseit viel Geduld.

Als ich bei Kaffee und Kuchen meinem Vater erzählte, wie es mit dem Umbau vorangehe, meinte er nur dazu, dass unser Tun mit dem Umbau eines alten Hauses vergleichbar sein. Jedes Mal, wenn das Ende in Sicht und die Freude auf eine etwas entspanntere Zeit aufkommt, zeigt sich etwas Neues, was ebenfalls noch gemacht werden sollt. Dazu muss gesagt werden, dass mein Vater seit über zwanzig Jahren immer wieder mal etwas an seinem Haus umbaut. Ich hoffe, dass unser Auto nicht ganz so viel Zeit in Anspruch nehmen wird! Denn diese haben wir gar nicht...

Aber es hat schon was. Letzte Woche wollten wir den von Stefan für unser Auto entworfenen Zusatztank einbauen und bei dieser Gelegenheit die Dieselpumpe erneuern. Wird eine Abdeckung geöffnet, versteckt sich jeweils eine neue Aufgabe dahinter. So brauchte auch der Wechsel der Dieselpumpe statt die vorgesehenen Stunden, einen ganzen Tag. Einige der Schrauben waren so verrostet, dass sie erneuert werden musste. Der Zu- und Abflussschläuche wurden deshalb um einige Zentimeter gekürzt, was dazu führte, dass diese Schläuche unterhalb des Fahrzeuges nachgezogen werden mussten. Diese Dinger sind teilweise unglaublich gut versteckt oder an den unmöglichsten Orten festgemacht. Auch das Anschliessen des Tankes stellte uns vor eine grosse Überraschung. Statt wie von uns angenommen kam kein Tankstutzen aus Stahl, sondern zu unserem Entsetzen ein Rohr aus Polyethylen hervor. Dieses kann von uns und ebenfalls von den Spenglern unserer Umgebung nicht so bearbeitet werden, dass wir den Zusatztank anschliessen können. Auf der Suche nach einer Lösung fand Stefan einen Tankstutzen, welcher aus rostfreiem Stahl hergestellt und somit geschweisst werden kann. Lieferzeit: 3-5 Wochen! Tja, nun könnt ihr euch wohl vorstellen, welche Geduld dies braucht. Vor uns liegt noch eine ganze Menge Arbeit und aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen eine unbekannte Variable an Überraschungen. Gehen wir vom zurzeit bekannten Auslaufdatum aus, bleiben uns noch 105 Tage...

Sobald der Tank angeschlossen ist, können all unsere Aufbewahrungsvorrichtungen eingebaut und Optimierungen vorgenommen werden. Eigendlich sollte dies nicht mehr so zeitaufwendig sein. Doch mit solchen Aussagen bin ich besser zurückhaltend. Wenn ich auf die vergangenen Wochen zurück schaue, merke ich, dass wir bereits einiges organisiert haben. Unsere Wohnungen sind gekündigt, die nötigen Papier und Versicherungen organisiert, das finanzielle geklärt und unser Nachtager bereits auf Nullgradthemperaturen getestet. Nächste Woche steht der Tropenarztbesuch an. Ich glaube, wir werden pünklich in Hamburg bereitstehen!

 

Meine Annahme hat sich bestätigt. Im Verlaufe unserer Arbeiten kamen immer wieder kleinere oder mittlelgrosse Arbeiten hervor, welche noch erledigt werden mussten. Kamen wir endlich ans Einbauen des Tankes sowie unseres Einbaukorpuses, passte das Ganze dann irgend wie nicht. Vielerorts mussten Dinge abgeändert werden oder kleinere Veränderungen vorgenommen werden. Unsere Kräfte schwanden und die Nerven lagen zunehmend blank. Weekend für Weekend verbrachten wir mit schrauben, bohren, nieten, kleben, feilen etc.. Es schien kein Ende zu nehmen. Zu guter Letzt wurden wir noch auf ein anderes Schiff umgebucht, welches bereits Anfangs August auslaufen soll. Die verbleibende Zeit wurde immer wie knapper.

Ich weiss nicht mehr genau wann es war, doch plötzlich schien sich das Pech, welches wir in letzter Zeit hatten zum Guten zu wenden. Der Tank konnte definitiv eingebaut werden, war dicht und der Korpus war ebenfalls rasch einmal im Auto festgemacht. Nun ging es vorwärts. Die Zuversicht, dass unser Landy vollbepackt rechtzeitig in Hamburg ankommen wird, wuchs. Ebenso unserer Begeisterung und die Vorfreude auf das kommende Abenteuer war wieder da.

Einzig der Prüfungstermin lag besonders mir noch schwer im Magen. Wir hatten so einiges am Fahrzeug verändert. Wäre es nicht besser gewesen das Auto zuerst zu prüfen und dann umzubauen? Ich war an diesem Tag aufgeregter als vor einer Prüfung. Der Prüfungexperte war für mich eine zu grosse Unbekannte mit zu vielen möglichen Variablen. Glücklicherweise nahm Stef diesen Termin wahr. Zuversichtlich präsenterte er unseren Landy. Letztendlich behielt er recht und mir fiel ein grossen Stein vom Herzen. Die Kleinigkeiten, welche bemängelt wurden, werden uns von unserer Reise nicht abhalten können.

Endlich konnten wir uns Dingen widmen, welche zu mehr Konfort und weniger dem reinen Vorwärtskommen dienen. Das Zelt wurde imprägniert (unglaublich wie gross dies ist! Wir brauchten 3 Imprägnierungskanister), eine neue Matratze wurde gekauft und erste Überlegungen zum Einräumen unseres Campingequipment wurden gemacht. Es bleiben uns noch 30 Tage. Endlich lachen wir wieder!

 

Zwei Wochen vor dem möglichen Abreisetetermin (dieser wird wohl erst am Tag selbst definitiv sein...) zogen wir zusammen. Unser Landy war soweit bereit, dass die Kisten beladen und die Möbel verstaut werden konnten. Der vorgegebene Platz verlangte von uns, auf jeglichen Luxus zu verzichten. Jeder von uns hat eine Kiste (Masse: XXX) um seine Kleidung zu verstauen. Dies führte zu heftigen Diskussionen. Was wird mitgenommen? Wie viel von was nimmst du mit? Bevor wir einräumten diskutierten wir über eine Stunde, ohne eine Lösung zu finden. Schlussendlich fing jeder für sich an zu packen und das Problem löste sich von alleine. Stef hat vorgängig verschiedenste Einrichtungen hergestellt, sodass jeder Platz optimal ausgenutzt ist und während dem Fahren nichts lose im Auto herumliegen muss. An den unglaublichsten Orten fand er Platz, um Dinge, die wir hoffentlich nicht gebraucht werden und trotzdem mit müssen (z.B. Feuerlösscher), zu verstauen. Beim Blick ins Fahrzeug kann kaum erraten werden, wie viel Material sich darin befindet. Es sieht werder vollpepackt, noch überladen, noch chaotisch aus. Letzteres wird sich während der Reise wohl zeitenweise ändern. Wer mit mir bereits mit dem Auto unterwegs war, weiss, dass es im Innern nicht immer top aufgeräumt ist (z.B. trocknete die Wäsche nicht, wird sie im Inntern aufgehängt etc.). Nach zwei Tagen war unsere Haushaltung verstaut und nun ist hoffentlich alles im Auto. Nun steigt die Vorfreude sowie die Nervosität. Es bleiben uns etwa 13 Tage bis wir uns von unseren Familien und all unseren Freunden verabschieden müssen!