Vom Klopapier und warmen Duschen

7. Oktober 2018

Immer wieder ertappe ich mich, wie ich das Toilettenpapier in den nebenan stehenden Eimer werfe. Ein Verhalten, welches ich im letzten Jahr verinnerlicht habe. Immer noch etwas zaghaft und mit einem unguten Gefühl trinke ich Leitungswasser und unter der warmen Dusche könnte ich stundenlang stehen bleiben.

Nach der Rückkehr einer solch grossen Reise durch andere Kulturen und Lebensweisen wird einem erst bewusst, wie schleichend sich das eigene Verhalten adaptiert und Gewohnheiten sich geändert haben. Während der ersten Woche zu Hause erlas ich all meinen Besitz, warf unglaublich viel Papierkram weg und verschenkte alte Kleidung und Spielmaterialien. Ich lebte ein Jahr auf kleinstem Raum in der Natur, hatte nur das Nötigste mit, so dachte ich. Unterwegs mussten wir feststellen, dass auch das immer noch zu viel war. Wir besitzen unglaublich viel Luxus. Sind wir glücklich damit?

Auf der Reise durch diese Länder durften wir auf eindrückliche Art erleben, wie wenig viele der Einheimischen besitzen. Dennoch lachten sie, empfingen Gäste herzlich an ihrem Tisch und waren mit ihrem Leben zufrieden.

In diesem Jahr durften wir feststellen, dass keine der Vorurteile gegenüber den von uns bereisten Ländern stimmt. Wir erlebten weder gefährliche noch bedrohliche Situationen. Wir durften erleben, was es heisst, jeden Tag so zu nehmen wie er kommt. Durften uns von den wunderschönen Landschaften, den herzhaften Leuten und den abenteuerlichen Pisten leiten lassen. Nun ist es Zeit für einen Rückblick, auf ein unvergessliches Abenteuer.

 

Anzahl Reisetage:                                          400 Tage davon 350 Tage in Südamerika (2 Tage in Brasilien, 12 in Uruguay, 90 Tage in Argentinien, 61 in Chile, 41 in

                                                                              Bolivien, 45 in Peru, 39 in Ecuador, 49 in Kolumbien (Grenztage werden beiden Ländern berechnet)

Anzahl Grenzübertritte:                              16, davon 11 zwischen Chile und Argentinien

Übernachtungen im Zelt:                           225 Tage davon 9 in Uruguay, 52 in Argentinien, 44 in Chile, 18 in Bolivien, 36 in Peru, 24 in Ecuador, 42 in Kolumbien

Übernachtungen auf dem Meer:             56 Tage

Höchste Übernachtung:                              4‘680 müM. in Peru (Refugio Peru), im Dachzelt war die höchste Übernachtung auf 4‘517 müM. ebenfalls in Peru (Parkplatz

                                                                               Rainbow Mountain)

Kälteste Übernachtung:                              -8° Celsius in Chile (Parkplatz Tatio Geysir

Heisseste Übernachtung:                           zu heiss… in Kolumbien (Cartagena an der Küste)

Gesamtkilometerzahl:                                 33‘748 km davon 31‘496 km in Südamerika

Dieselverbrauch:                                            4‘658 l

Teuerster Diesel:                                            1.104 CHF/l in Argentinien

Billigster Diesel:                                             0.268 CHF/l in Ecuador

Längste Strecke in einem Tag:                 839 km in 10 Stunden und 20 Minuten von Buenos Aires nach Laguna la Salada

Höchster Punkt zu Fuss:                             5‘760 müM. Nevado Pisco in Peru

                               mit dem Auto:                  5‘109 müM. Abra Azuca in Peru

Tiefster Punkt:                                                - 121 müM. Salina Chica in Argentinien

Grösste Höhendifferenz an einem Tag:   von 411 müM. auf 4721 müM. im Cotahuasi Canyon in Peru

Anzahl Reifenpannen:                                 3 Pannen (Chile, Argentinien, Ecuador), Reparaturen waren es ein paar wenige mehr.

Anzahl „Ausgrabungen“:                            2 Mal mussten wir unser Auto frei schaufeln, dies an einem Tag! Für 60 km brauchten wir dadurch mehr als 8 Stunden.

Anzahl warmer Duschen:                           viel zu wenig! Wenn es einmal Duschen mit einem Elektrodurchlauferhitzer gab, war die Wassermenge so klein, dass sie 

                                                                              beim Auftreffen auf den Körper oftmals fast schon wieder kalt war... Mal abgesehen von den Stromschlägen welche wir

                                                                             durch diese Duschen kassierten!

 

Je länger wir durch Südamerika reisten, desto unsympathischer wurden uns die Spanier sowie die Chinesen. Zu Kolonialzeiten richteten die Spanier viel Leid an und zerstörten ganze indigene Kulturen. Hunderttausende Indios wurden unterdrückt, ausgebeutet oder getötet. Die reichen Prä-Inka und Inkakulturen sowie die Bodenschätze wurden geplündert. Die Länder Südamerikas wären wohl von den reichsten der Welt, hätten die Spanier damals nicht ihre Kultur zerstört und ihre Schätze geraubt.

Heute sind es die Chinesen, welche einen Grossteil der Minen besitzen. Überwiegend in Bolivien und Peru beuten sie die Bodenschätze aus, scheffeln das Geld und lassen Einheimische unter schlechten Arbeitsbedingungen schuften. Hier ist die Korruption spürbar. Die einflussreichen Personen der Länder denken an ihren Wohlstand, schliessen Verträge ab ohne an die Zukunft des Landes zu denken. Dies selbstverständlich zu Lasten des Volkes.

Auf der Strasse haben wir kaum Korruption erlebt.

 

Wir haben einmal alles hinter uns gelassen. Wissen was es heisst, keine Wohnung, keinen Job und weit weg von all unseren Freunden zu sein. Während diesem Jahr hat sich zu Hause wenig verändert. Wir durften jedoch täglich etwas Neues entdecken, etwas Neues lernen und tolle Leute kennen lernen. Wir sind überzeugt, dass uns die Entscheidung erneut die Welt zu entdecken, bei einem weiteren Mal einfacher fallen wird.

Wir möchten uns bei all den Leuten bedanken, die wir während dieser Reise kennen lernen durften, die uns ein Stück auf unserer Reise begleitet haben, uns einen Einblick in das Leben Südamerikas vermittelten und uns herzhaft aufgenommen haben. Hoffentlich werden wir uns wieder sehen!