Spuren der Vergangenheit

6. Juni 2018

Wir verliessen die Cordilliera Blanca Richtung Küste. Die Fahrt durch den Entencanyon führte uns durch verschiedene Vegetationszonen. Im schmalen Canyon wechselte die Landschaft über eine Kakteengegend in eine trockene, karge Wüstenlandschaft. Kurz vor der Küste stiessen wir auf grünen, fruchtbaren Boden. Dank der Bewässerung wachsen Passionsfrüchte, Ananas, Papayas, Zuckerrohr, Mais, Mangos und andere tropische Früchte. An der Küste wechselte das Grün wieder in Wüste. Überall am Strassenrand liegt viel Müll und so folgten wir dem Weg nach Cajamarca, erneut ins Hochland Perus. Die guten, doch kurvenreichen Strassen liessen unseren Landy langsam vorwärts kommen. Wir durchquerten drei Täler.
Im vierten erwartete uns eine Botanik, welche der des Machu Picchu ähnlich ist. Die hügelige Landschaft ist bewachsen mit Regenwald. Kein Wunder liessen sich in dieser Gegend antike Kulturen nieder. Weit vor der Inkazeit besiedelten die Chachapoyas die se Gegend. Auf einer Höhe von mehr als 3000 müM, errichteten sie zwischen 800 und 1300 n. Chr. die Festung Kuelap, welche damit nicht nur älter sondern auch grösser als der Machu Picchu ist. Für die Errichtung der Festung wurden insgesamt 25.000.000 m³ Material verarbeitet. Die Festung wurde erst 1843 wiederentdeckt und gilt außerdem als das größte Bauwerk von Südamerika. Sogar für die Inka war Kuelap bis 1475 uneinnehmbar, denn die Chachapoyas waren ein stolzes und heißblütiges Kriegervolk. Die Festung liegt strategisch perfekt auf den Bergrücken, das Tal kann problemlos überblickt werden. Auf Quechua (die alte Sprache der Inka) bedeutet Chachapoyas übrigens so viel wie „die Wolkenmenschen“.

Teilweise noch in den Wolken genossen wir die Stimmung der mächtigen Festung.
Kuelap ist nicht das einzige Bauwerk, welches die Chachapoyas hier errichteten. Wochen könnten wir damit verbringen, all die Werke zu bestaunen. Neben Kuelap besuchten wir die Mausoleen von Revash. Die Totenstätten der Chachapoyas befinden sich im Cerro Carbon. Die Häuser sind zirka einen Meter hoch und wurden aus einer Mischung aus Gestein und Ton. Die sich darin befundenen Mumien wurden geplündert oder von Tieren aufgefressen, sodass heute nur noch die Häuser vorzufinden sind. Staunend standen wir auf der Aussichtsplattform und betrachteten die kleinen Häuser.
Nach unserem Ausflug in die vergangenen Zeiten reisen wir nun weiter Richtung ecuadorianische Grenze.

Hoch hinaus - eine Grenzerfahrung

29. Mai 2018

Um 00.30 werden wir geweckt. „Chicos, vamos!“. Geschlafen haben wir kaum. War es die Höhe? Oder die Aufregung?. Das Refugio Peru befindet sich auf 4600 Meter über Meer. Die Rucksäcke sind gepackt. Steigeisen, Klettergurt, Pickel, warme Kleidung und Riegel. Auf uns wartet eine 12 stündige Wanderung über Geröll, Schnee und Eis. Draussen beleuchtet der Vollmond die Berglandschaft.
Nach zirka einer halben Stunde erreichen wir die Anhöhe der ersten Gletschermoräne. An einer Eisenkette seilen wir uns in die Tiefe. Was uns erwartet sehen wir kaum. Glücklicherweise! Meine Hände klammern sich fest. Um Steinschläge zu verhindern, folgen wir anschliessend dicht aufeinanderfolgend der Geröll- und Steinhalde hinunter. Während den folgenden eineinhalb Stunden durchqueren wir die Moräne. Diese verändert sich ständig, weshalb es auch kaum einen erkennbaren Weg gibt. Wir folgen Lucio, klettern über die Steine, balancieren über enge Durchgänge bis zu Gletscherzunge. Immer noch im Dunkeln montieren wir die ganze Ausrüstung. Lucio lacht. Unsere Steigeisen gehören wohl eher ins Museum als an unsere Füsse! Schritt für Schritt geht es über den Gletscher hoch. Wir befinden uns auf 5300 Meter über Meer. Mein Körper kämpft mit dem niedrigen Sauerstoffgehalt. Glücklicherweise leide ich nicht an der Höhenkrankheit. Vor Kopfschmerzen und Übelkeit bleibe ich verschont. Dennoch habe ich teilweise das Gefühl teilweise zu torkeln. Mit jedem Schritt schwinden meine Kräfte. Wir marschieren im Gänsemarsch, mit gespanntem Seil über einen Gletscherspalt. Eine schmale Schneebrücke ermöglicht uns das Weitergehen. Ich schnappe nach Luft. Innerlich gebe ich auf. Ich werde den Gipfel wohl kaum erreichen. Das war doch ein völliger Blödsinn, untrainiert auf einen solchen Gipfel zu steigen. Im Trott geht es immer langsamer den Berg hoch. Als wir im Sattel ankommen, lassen die ersten Sonnenstrahlen die Berge rot leuchten. Ist mein Ziel nun nicht bereits erreicht? Noch eine Wanderstunde und 200 Höhenmeter fehlen zum Ziel. Noch langsamer geht es vorwärts. Nach zirka sechs Stunden stehen wir auf dem Gipfel des Piscos, auf 5760 Meter über Meer. Ich bin überwältigt. Erschöpft setze ich mich hin und geniesse die Sicht auf die umliegenden Berge. 33 Gipfel über 6000 MüM. und mehr als 70 über 5000 MüM. befinden sich in der Cordilliera Blanca. Vor uns liegen viele der berühmten Gipfel. Zu unserer Rechten ragt der Huascaran Sur (der höchste Berg Parus 6700 MüM.), der Huascaran Norte sowie der Chopicalqui. Zu unserer Linken befindet sich neben dem Chacaraju der berühmte Artesanraju, der Paramount Picture Berg. Wir stehen knapp eine Stunde auf dem Gipfel. Lucio fordert uns zum Abstieg auf. Er befürchtet, dass wir bei einem zu langen Aufenthalt Höhenkrank werden könnten. Den Abstieg kann ich besser geniessen. Wie von selbst läuft es sich über die Schneemassen. Die gewaltigen Eismassen faszinieren mich. Müde kommen wir an der Moräne an. Erneut warten zwei Stunden loses Geröll auf uns. Nicht zu vergessen die Kletterpartie der Eisenkette hoch! Meine müden Beine tragen mich unsicher über die Steine. Das Laufen in Schalenschuhen fordert meine ganze Konzentration und Kraft. Müde kommen wir nach zwölf Stunden wieder in der Hütte an. Auf unsere Besteigung stossen wir selbstverständlich mit einem Pisco (peruanisches Nationalgetränk) an.

 

200 Kilometer in sieben Stunden

23. Mai 2018

Während den letzten Wochen waren wir viel unterwegs. Zwischen Cusco (Machu Picchu) und Huaraz liegt eine Distanz von 1330 Kilometern. Diese können entweder auf der Panamerikana, der Küste entlang, oder durch die Anden absolviert werden. Die Strasse der Küste entlang sei relativ langweilig. Bis auf ein, zwei Sehenswürdigkeiten fährt man durch die Wüste. So entschieden wir uns dazu, die kurvenreichen Strassen der Anden zu fahren. Auf diesen erlebten wir täglich den Fahrstil der Peruaner. Diese müssen einen sechsten Sinn in Bezug aufs Überholen haben. In den gefährlichsten Stellen/ Kurven werden Lastwagen und andere langsamere Fahrzeuge überholt. In unserem Reiseführer steht über die Fahrweise der Peruaner folgendes:

 „Die Peruaner fahren äusserst progressiv und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie vor allem auf kurvenreichen Strassen ihr Fahrzeug nicht unter Kontrolle haben und mit der Verkehrssituation an sich überfordert sind. Überhöhte Geschwindigkeit führt oft dazu, dass die Peruaner einem auf der falschen Fahrbahnseite entgegenkommen. Der Peruaner ist ausserdem davon überzeugt, den Aufprall zweier sich aufeinander zubewegender Fahrzeuge durch reines Hupen verhindern zu können. Gehupt wird ständig, rechtzeitig gebremst wird selten. Darüber hinaus hält sich unter den peruanischen Autofahrern hartnäckig das Märchen, dass das Fahren mit Licht der Batterie schadet- deshalb wird auch nachts ohne Licht gefahren… (Reise Know How, 2015)“.

 Diese Beschreibung trifft den Nagel auf den Kopf. Bereits alles davon haben wir selbst auf den Strassen erlebt. Das Resultat der peruanischen Fahrweise lässt sich am Strassenrand begutachten. Es stehen Kreuze von verunfallten Personen am Strassenrand, teilweise liegen die Autofracks noch in den Schluchten.
Gehupt wird nicht nur in gefährlichen Situationen. Die Hupe ist hier ein Kommunikationsmittel. Es bedeutet: Ich möchte gerne überholen. Vorsicht ich komme!, Bitte gern geschehen… In Peru kann nicht oft genug gehupt werden und so betätigen auch wir mehrmals stündlich die Hupe. Die Fahrt durch das Hochland Perus haben wir bis jetzt heil überstanden.
Von Cusco ging es erstmals nach Hydroelectrica von wo aus wir nach Aguas Calientes wanderten. Es war unglaublich faszinierend zu sehen, wie schnell sich die Vegetation verändert. Wir wanderten der Eisenbahnlinie entlang durch Tropenwald. Am folgenden Tag liefen wir früh morgens auf den Machu Picchu Berg. Der Machu Picchu war noch in einen Nebel gehüllt, welche sich im Verlaufe der Wanderung auflöste. Der Moment war magisch. Wir genossen die Ruhe und die tolle Aussicht auf die Inkastadt. In der Ruinenstadt selbst hatte es bereits bei Türöffnung zu viele Touristen. So liefen wir nur kurz durch die Gebäude, bestaunten die perfekt gebauten Mauern und amüsierten uns an den anderen Touristen. Am selben Tag liefen wir nach Hydroelectrica zurück und genossen ein entspannendes Bad in den Thermen.
Anschliessend nahmen wir die 1330 Kilometer in Angriff. Gemeinsam mit Carla und Boris, ebenfalls zwei Schweizern, fuhren wir diese unglaublich tolle Strecke. Ich stellte mich bereits auf kalte Nächte in der Höhe ein, musste dann aber erstaunt feststellen, dass unsere Route erstmals durch den Dschungel verlief. Wir fuhren mitten durch das Drogenanbaugebiet Perus. Peru ist der zweitgrösste Kokainproduzent der Welt. Dass dies nicht gern gesehen ist, lässt sich an all den Polizeikontrollen feststellen. Diese stehen schwerbewaffnet am Strassenrand, röntgen Fahrzeuge und sperren in der Nacht die Strassen. Zu unserer Sicherheit übernachteten wir in den Dörfern. Wir durften uns neben Häuser stellen und wurden zum Kokosnussmilchtrinken eingeladen. Nach zwei Tagen Dschungel veränderte sich die Landschaft. Nebelwald, kleine Andendörfer und Schluchten folgten aufeinander. Völlig fasziniert fuhren wir in Antamina durch eine der grössten Minen Perus. Die Strasse führt durch die Mine und so fuhren wir vorbei an den riesigen Minenfahrzeugen, welche wir in Chile nur aus der Ferne betrachten konnten. Die Arbeiter winkten uns alle freudig zu. Durch eine wunderschöne Berglandschaft ging es anschliessend bis nach Huaraz. Pro Tag waren wir zirka sechs bis sieben Stunden unterwegs. Im Schnitt absolvierten wir 200 Kilometer pro Tag. Wir genossen das ausgiebige Frühstück und die gemütlichen Abenden zusammen mit Boris und Carla. Es war eine schöne Abwechslung zu den langen Fahrtagen.
Nun sind wir bereit für ein Abenteuer zu Fuss. Rund um Huaraz gibt es einige Wanderungen zu unternehmen und wunderschöne Berge zu besteigen.

Auf abenteuerlichen Pisten

7. Mai 2018

In Arequipa gönnten wir uns eine Auszeit. Die Höhe und wohl auch die Ungeziefer des Dschungels setzten uns ein wenig zu. Wir brauchten Zeit um unsere Magenprobleme auszukurieren. Ja, nach acht Monaten in Südamerika erwischte es uns auch! Nach einer Woche war es ausgestanden und wir konnten weiterreisen.

Auf kurzen Spaziergängen entdeckten wir in Arequipa immer wieder Neues. Auch hier unternahmen wir eine Free guided walking Tour und lernten bereits einiges über die Inkakultur. Es ist immer wieder eindrücklich zu sehen, wie die Spanier die Elemente der „fremden Kultur“ in die Bauten einfliessen liessen. An fast allen Fassaden der Kirchen sind Maiskolben, Abbildungen von Schlangen, vom Puma oder von Kondoren zu finden (Sinnbilder für Unterirdische, Erde, Himmel). Besonders gefiel mir ein Gemälde des Abendmahls. Auf dem Bild ist anstelle eines Lammes ein Meerschweinchen zu finden. Ebenfalls liegen Maiskolben auf dem Tisch. Einfach unglaublich was die Spanier alles unternahmen, um den Indigenen ihren Glauben zu vermitteln.

Weiter lernten wir etwas mehr über die Sprache Qechua, welche von vielen Indigenen immer noch gesprochen wird. Unser Tourguide empfahl uns, sollten wir Mühe mit dem Lernen von Spanisch haben, diese Sprache zu trainieren. Die Wörter wurden aufgrund von Eigenschaften des Gegenstandes gebildet und sind somit einfacher zu lernen. Zum Beispiel heisst das Meerschweinchen Guy, da es beim Hochheben ein solches Geräusch macht. Könnt ihr erraten, was el Tutturutu heisst. Ihr dürft etwas nachdenken, ich werde es euch am Ende des Berichts verraten.

Von Arequipa aus folgten wir Pisten durch verschiedene Canyons. Im Colca Canyon wanderten wir in die Oase runter und genossen ein Bad in den „semicalienten“ Quellen. Im Cotahuasi Canyon fuhren wir einige abenteuerliche Strassen, beobachteten Kondore und campierten an wunderschönen Stellen. Durch den Apurimac Canyon ging es anschliessend weiter Richtung Cusco. Wir fuhren durch Dörfer, welche wohl kaum von Touristen besucht werden. Die Leute freuten sich jeweils über ein kurzes Gespräch. Das Einkaufen wurde immer wie schwieriger. Immer wie weniger konnte auf dem Markt oder in den kleinen Läden eingekauft werden. So beschlossen wir selbst Brot zu backen und versuchten zu fischen. Letzteres klappte weniger! Ebenfalls trafen wir immer wieder einmal auf Kreuze am Strassenrand. Wie bereits erwähnt ist die Todesstrasse eine Kleinigkeit zu einigen Pisten die heute noch befahren werden. Einige dieser Pisten fuhren wir auch durch die Canyons. Oftmals liegen in der Tiefe noch die verunfallten Fahrzeuge.

Zwischendurch fuhren wir über das Altiplano von Peru und bestaunten die schier endlose Kette der Vulkane. Einige davon sind aktiv. Der Hualca Hualca spuckte grosse Aschewolken.

Kurz vor Cusco legten wir beim Rainbowmountain einen Stopp ein. Wir wollten den etwas über 5000 Meter hohen Berg bewandern. Da der farbige Berg als eines der Touristenziele schlechthin gilt, entschlossen wir uns die Nacht auf dem Parkplatz (4500 müM., unser neuer „Schlafrekord“) zu verbringen und am folgenden Tag um 6.00 Uhr die Wanderung zu starten. Als wir morgens aus dem Zelt krochen war alles gefroren und es lag Schnee auf dem Zelt. Dennoch stiegen wir hoch und genossen die Aussicht über die verschneiten Berggipfel. Beim Rückweg wurde uns bewusst, welche Auswirkung der Massentourismus hat. Unzählige von Bussen trafen zwischen 7.00 Uhr und 8.00 Uhr auf dem Parking ein und hunderte von Leuten wanderten den Berg hoch. Es kam uns vor wie ein Pilgermarsch. Wir waren froh, bereits wieder auf dem Rückweg zu sein. Nach diesem Erlebnis sind wir nicht mehr so ganz sicher, ob wir den Machu Picchu überhaupt besuchen wollen! Wir werden sehen…

Ah ja, el Tutturutu ist der Fanfarenbläser der Spanier!

Ohne festen Untergrund - zu Besuch auf den schwimmenden Inseln

23. April 2018

Die Zeit, die wir am Titicacasee verbrachten war relativ kurz. Da wir alle unter Magenproblemen litten, wollten wir unseren Körpern die Höhe nicht allzu lange zumuten. Von Copacabana aus unternahmen wir einen Bootsausflug zu den Inseln Isla del Sol und Isla de la Luna. Schliesslich wollten wir einmal auf dem höchst gelegenen schiffbaren See der Erde tuckern. Von den beiden Inseln konnten wir einen wunderbaren Blick auf das Festland geniessen. Da die Inselfamilien sich in einem Streit um den Tourismus befinden, ist es momentan nicht möglich über die ganze Insel zu wandern. Während eines kleinen Spaziergangs bestaunten wir die Terrassenbauten, deren Bau den Inkas zugewiesen wird. Die übrigen Ruinen stammen aus der Präinkazeit. Nach einer Legende soll jedoch hier der Ursprung der Inkas liegen. Wir genossen die gemütliche Fahrt zurück und verbrachten noch einige Tage in Copacabana. Unser Landy brauchte nach den Pisten wieder einmal ein wenig Pflege und wir eine Erholungspause. In letzter Zeit waren wir viel unterwegs.

Ohne Probleme überquerten wir anschliessend die Grenze zu Peru. Auf dieser Seite des Sees wollten wir die schwimmenden Inseln von Oruro besuchen. Ein Touristenmagnet! Doch dieses Erlebnis wollten wir uns nicht entgehen lassen. Nahe der Kirche sollten Einheimische zu finden sein, welche uns zu ihren Inseln führen würden. Ohne Anmeldung fuhren wir zum angegebenen Punkt. Kaum war der Motor unseres Landys ausgeschaltet, kamen bereits Kinder zu springen. Jonathan sprach uns an, ob wir gerne zu den Inseln möchten? Zusammen mit seiner Verlobten und seiner Cousine fuhren wir zu seinem Haus auf den Inseln. Er erklärte uns, wie eine solche Insel gebaut wird. Das Fundament bilden die Wurzelstöcke des Schilfs, welche in der Regenzeit in Blöcke geschnitten und zum gewünschten Ort transportiert werden. Anschliessend werden wöchentlich eine Schilfschicht auf die Erdschicht gelegt und flach getreten. Die Häuser werden etwas erhöht aufgebaut. Ist die Insel einmal fertig gebaut, müssen die Schilfschichten alle zwei Wochen erneuert werden. Eine unglaubliche Arbeit! Die Frauen besticken Tücher sowie Kissenbezüge und versuchen sie zu verkaufen. Dass die Familien wenig besitzen erlebten wir hautnah. Jonathan ruderte uns mit dem „Mercedes Benz“, dem Schilfboot zu einem Restaurant. Die vier Kinder, welche sich auf der Insel befanden, kamen auch mit. Wir bestellten uns eine Forelle. Jonathan bestellte für sich und die Kinder ebenfalls einen Teller. Dieser war schnell leer gegessen. Da wir, wie bereits gesagt, an Magenproblemen litten, assen wir weder die frittierte Fischhaut noch den Salat. Die Kinder nahmen unsere Resten gerne entgegen und ratzeputz war alles weg. Gegessen wurde mit den Fingern und so schnell wie möglich. Wir teilten die Getreidestängel, welche wir noch in unserem Rucksack hatten, unter den Kindern auf.

Geführte Touren kommen nur etwa alle ein bis zwei Wochen auf die Insel der Familie. Insgesamt schwimmen über 100 Inseln im Titicacasee. Pro Tag gibt es 30 bis 40 Touren, je nach Saison. Die Organisationen fahren die Insel im Wechsel an. Die Familie lebt von den Inseleintritten und den Souvenirs, welche sie verkaufen können. Schätzt man die Einnahmen, kann schnell festgestellt werden, dass diese sehr gering ausfallen, um eine ganze Sippe (auf einer Insel befinden sich meistens 4 verwandte Familien) zu ernähren. Jonathan und seine Verwandten empfingen uns herzlich. Die Kinder kamen sofort auf uns zu, kletterten an uns hoch und schätzten die Abwechslung. Es war für uns eine unglaublich beeindruckende Erfahrung. Wir möchten uns bei Jonathan und seiner Familie bedanken. All unseren reisenden Freunden können wir eine solche, persönliche Führung zu den Inseln wärmstens empfehlen