Das Ende naht im Paradies

27. August 2018

Mein Blick schweift über die Skyline von Cartagena und bleibt am Containerterminal haften. Irgendwo da drüben steht nun unser Landy und wartet auf seine grosse Reise übers Meer. Die riesigen Kräne bewegen ununterbrochen Container. Stumm schauen wir uns an. Das Ende unserer grossen Reise naht. In wenigen Tagen werden wir nach Hause fliegen. Beide wären wir gerne erneut mit dem Containerschiff langsam in unser altes Leben geschippert. Wie wird es wohl sein, nach wenigen Stunden in einer anderen Welt zu landen? In einer hektischen, relativ kalten Welt. Wir werden den Luxus vom eigenen Bad mit warmer Dusche geniessen und können unser Leben in der Natur gegen das in vier Wänden tauschen. Ich blicke dem mit einem mulmigen Gefühl entgegen. Wir verlieren ein Stück Freiheit und den grössten Luxus, denn man nur haben kann. Zeit um Entdecken! Und all dies in wenigen Stunden. Unser Landy wird ein Monat auf See sein. Für uns wäre diese Zeit wertvoll gewesen, um uns auf Europa einzustellen. Leider ist dies nicht möglich!
Die letzten drei Wochen verbrachten wir an der Karibikküste unter Palmen. Es war heiss und feucht. Kaum zu glauben, dass wir diesem Klima auf unserer Reise noch begegneten. Als wir unsere Reise starteten, dachten wir beide, dass wir ein Jahr lang Sommer haben werden. Tja, das ist ja auch das tolle am Reisen. Konzepte und Vorurteile werden immer wieder über den Haufen geworfen. Wir brauchten wahrscheinlich während etwa drei Monaten keine Winterjacke…Aber ich schweife ab. Der Rückblick unserer Reise mit Statistiken folgt, wenn auch unser Landy wieder zu Hause ist.
Fast eine Woche verbrachten wir im Nationalpark Tayrona mit Baden, Sonnen, Wandern und Lesen. Neben unserem Campingplatz tummelten sich in den Bäumen die Affen. Wir brauchten die Zeit, um all die Eindrücke der letzten elf Monate zu verarbeiten. Auf unseren letzten 250 Kilometern von Santa Marta nach Cartagena besuchten wir den Schlammvulkan El Totumo. Der Schlot des Vulkans soll 500 Meter hinab ins Erdinnere reichen. Dennoch standen wir wie ein Korken und trieben liegend auf der Oberfläche. Kurz vor Cartagena bereiteten wir unseren Landy für die Verschiffung vor. Das Umpacken, Reinigen und sicherer Verschliessen der Türen dauerte drei Tage. Bei dieser Hitze lief uns der Schweiss aus allen Poren. Blitzblank fuhr das Auto am 25. August in den Hafen. Die Papierformalitäten sowie die Drogenkontrolle dauerten eine Weile. Insgesamt brauchten wir zwei Tage, bis alles organisiert war. Zum Glück hatten wir uns für einen Agenten entschieden, ansonsten wäre es noch viel länger gegangen. Dank seiner Hilfe lief alles glatt.
Die letzten Tage verbrachten wir in Cartagena. Eine tolle, farbige Stadt. Überall herrscht Leben in den Strassen. Es ist ein seltsames Gefühl ohne Auto unterwegs zu sein. Nicht jeden Abend das Zelt aufklappen zu müssen, in der Nacht zur Toilette zu laufen und überall einfach hinfahren zu können.
Leider ist die Panamerika hier zu Ende. Es führt keine Strasse nach Panama. Doch stimmt, auf der anderen Seite würde die Strasse noch bis nach Alaska weitergehen. Sie ist nur unterbrochen. Genauso wie unsere Reise?
Wer weiss, vielleicht werden wir in ein paar Jahren erneut eine grosse Reise antreten. Von Nord nach Süd!

Unterwegs Richtung Karibik!

12. August 2018

Nach den relativ kalten Nächten auf dem Camping in Medellin freuten wir uns auf etwas Wärme. So verliessen wir die zweitgrösste Stadt Kolumbiens Richtung Osten. Nach nur wenigen Kilometern legten wir einen ersten Zwischenstopp ein. Wir besuchten die Embalse del Penol sowie das bunte Städtchen Guatapé. Diese Seenlandschaft entstand durch einen Staudamm, welcher in den 1970er Jahre erbaut wurde. Die zerklüfteten Täler wurden überflutete und es entstand eine wunderschöne Insellandschaft. Guatapé strahlt in bunten Farben. Die Fassaden sind bunt bemalt und mit kulturellen Motiven verziert.

Die Ruta 60 führte uns weiter ins Tiefland. Unterwegs lud uns der Rio Claro zum Baden ein. Wir wanderten durch die Dschungellandschaft und erfreuten uns am kühlen Nass. Unser Ziel dieser Reiseetappe war jedoch die Kakaofinca von Alejandro und Vivian. Wir wollten noch etwas mehr über die Kakaoherstellung lernen. In Mindo erhielten wir einen ersten Eindruck, doch noch beeindruckender ist es, Kakao selbst herzustellen. Alejandro betreibt eine Finca, auf welcher sie den Reisenden diese Möglichkeit bieten. Herzhaft (wie immer hier in Kolumbien) wurden wir empfangen. Alejandro führte uns einen halben Tag auf seinem Anwesen herum. Ausgerüstet mit Gartenschere und Machete streiften wir durch die Kakaoplantagen. Wir lernten Wissenswertes über die Kunst des Zweiens und die Pflege der Pflanzen. Immer steht die Qualität sowie die Produktivität im Zentrum. Ebenfalls begegneten wir den Schädlingen und Krankheiten, welche die Kakaoernte zerstören können. Alejandro betreibt die Finca seit drei Jahren. Momentan lebt er von der Ernte weniger alter Bäume. Zusammen mit seiner Frau hat er die Anbaufläche um das Vielfache vergrössert. Die Bäume sind jedoch noch klein, brauchen viel Pflege und werden erst in zwei bis drei Jahren Früchte tragen. Anschliessend wird er während zirka 20 bis 25 Jahren ernten können.

Nach unserem Spaziergang durch die Plantagen erwartete uns Vivian im schattigen Patio. Sie wollte uns die traditionelle Herstellung von Kakao beibringen. Die Schritte waren uns bereits bekannt. Wie viel Arbeit dahinter steckt und wie zweitaufwendig das Ganze ist, erlebten wir am eigenen Leibe. Die getrockneten Bohnen werden über dem Feuer geröstet und anschliessend von Hand geschält. Im Dorf gibt es Wettbewerbe, wer in einer vorgegebenen Zeit die meisten Kakaobohnen schälen kann. Diese Frauen sind um einiges schneller als wir!

Die Kakaobohnen werden anschliessend mehrmals durch eine Mühle gemahlen, bis eine cremige Masse entsteht. Harte Arbeit bei diesem Klima! Der Schweiss lief uns aus allen Poren.
Aus der entstandenen Masse kochten wir einen leckeren Kakao. Die Kakaomasse kann in Wasser oder Milch geschmolzen werden. Zucker oder auch Whiskey, der ebenfalls aus der Kakaopflanze gewonnen wird, verfeinert das Getränk. Wir probierten verschiedene Kombinationen aus. Es schmeckte köstlich!

Über Villa de Leyva, die Hochebene von Cocuy durch die Agrarlandschaft von Bolivar und Magdalena erreichten wir das Ziel unsere Reise, die Karibikküste!

Im Zigzag durch Kolumbien

30. Juli 2018

Wer denkt in Kolumbien endlich Tiefland, Karibik und Wärme zu finden, der täuscht sich erst einmal. Kolumbien, das Land der Kurven! Die Anden teilen sich hier in drei Gebirgsketten. Immer wieder durchfuhren wir Täler. Im Zigzag ging es bis jetzt durch Kolumbien, nicht nur aufgrund der Kurven, sondern auch wenn unsere Reiseroute betrachtet wird. Immer wieder wechselten wir vom Hochland (Westen) ins Tiefland (Osten). Nachdem wir die Finca Loyola mit schwerem Herzen verlassen haben, fuhren wir über Popayan, durch ddie Sierra Nevada de los Coconucos nach San Augustin. Wir besuchten die Grabmäler mit ihren typischen Steinfiguren. Viele Jahre blieben diese Grabmäler unbemerkt im Dschungel. Heute ist es eine Touristenattraktion. Sie sind auch beeindruckend! Etwas weiter nördlich bestaunten wir erneut Gräber einer anderen Kultur. In Tierradentro wurden die Leute nicht in Steingräber, sondern in Höhlen beigesetzt. Diese wurden farbig bemalt. Über abenteuerliche Treppen stiegen wir in die Tiefe.
Die Fahrt führte uns weiter durch die Tatacoa Wüste. Die Sonne brannte nieder, uns war es zu heiss. Die Wüste ist schön, doch wer bereits einmal die Gegend um Las Vegas besucht hat, wird endtäuscht sein. So ging es erneut ins Hochland. Von Ibagué fuhren wir über eine Piste nach Salento. Da es am Tag zuvor stark geregnet hatte, wurde es zu einer abenteuerlichen Fahrt. Auswaschungen mussten umfahren und schlammige Anstiege gemeistert werden. Für unseren Landy jedoch kein Problem. Zuverlässig brachte er uns in das Tal der Wachspalmen (Valle de Cocora). Dabei stellten wir fest, dass es auf unserem Weg weitaus mehr Palmen zu sehen gab als bei der letztendlichen Touristenattraktion. Wie gut, dass wir mit unserem Fahrzeug unterwegs sind!
Von Salento reisten wir durch die Kaffeegegend, vorbei an farbigen Dörfern nach Medellin. Auf Umwegen kämpften wir uns durch den Verkehr der zweitgrössten Stadt Kolumbiens. Die Strassen wurden immer wie steiler. Längst befanden wir uns nicht mehr im Zentrum, sondern in den Vororten. Letztendlich erreichten wir unseren Camping. Medellin ist eine authentische kolumbianische Stadt. Sie wurde nicht durch die Spanier gegründet oder eingenommen. Entsprechend sind die Bauten. Ein wirkliches Zentrum gibt es nicht. Auf den Spuren des legendären Drogendealers Pablo Escobar schlenderten wir durch die Gassen. Es war eindrücklich zu sehen, wie sich die Stadt seit seinem Tod vor etwas mehr als 30 Jahren geändert hat. Er hat damals in seinem Krieg um die Drogen viel Unheil angerichtet. Die Leute reagieren auch heute noch sehr sensibel auf diesen Teil der Geschichte. Interessant war es auch die Dinge kritisch zu betrachten und zu sehen, wie viele Informationen wohl manipuliert wurden.
Ebenfalls die Comuna 13 zeugt vom Wandel der Stadt. Das Quartier mausert sich von der gefürchteten „Farc-Zone“ zum Künstlerviertel. Viele Graffitis gibt es zu bestaunen. Viele thematisieren die multikulturelle Zusammensetzung der Bevölkerung Medellins, wie auch Kolumbiens. Es ist ein Quartier voller Leben, genauso wie Kolumbien. Farbenfroh und fröhlich!

 

El arte del café

19. Juli 2018

Der Grenzübergang nach Kolumbien lief flott. Aufgrund der venezolanischen Flüchtlingen, welche jeden Tag zu Hunderten am Grenzübergang Tulcan die Grenze von Kolumbien nach Ecuador überqueren und dies zu stunden-, wenn nicht fast tagelangen Wartezeiten führen kann, entschlossen wir uns, den Grenzübergang im Osten Balastrera zu nehmen. Eine richtige Entscheidung! Der Weg führte uns von Ibarra über eine schöne Offroadpiste der Landesgrenze entlang in den Dschungel und auf der kolumbianischen Seite die Trampolin de la muerte wieder hoch. Diese Strasse gilt als die Todesstrasse von Kolumbien. Tatsächlich ist sie genauso eng, wie die in Bolivien. Doch diese Strasse ist keine Touristenattraktion, sondern eine der wenigen Ost- Westverbindungen zwischen dem Hochland und dem Amazonas. Entsprechend ist sie auch befahren und die Lastwagen kommen dir immer an der schmalsten Stelle entgegen. Ein tolles, authentisches Erlebnis.

Nach den langen Fahrtagen wollten wir an der Laguna de la Cocha wandern sowie uns entspannen. Das Wetter führte jedoch dazu, dass wir unsere Pläne änderten. In dieser Jahreszeit sind die Berge um den See wolkenverhangen und es weht ein starker, kühler Wind. Im Haus von Jorge durften wir uns am Feuer wärmen und den Final der Fussballweltmeisterschaft verfolgen. Dazu bekamen wir einen schmackhaften Kaffee serviert. Jorge erklärte uns, dass dieser nur wenige Kilometer entfernt in Chachagüi von Jesuiten produziert werde. Wir sollen doch unbedingt vorbeischauen. Die Finca Villa Loyola gewann vor wenigen Jahren die „goldene Kaffeetasse“, eine Auszeichnung des besten Kaffees der Welt. Tatsächlich wird der Kaffee in Feinschmeckerkreisen konsumiert. Er ist in keinem Supermarkt zu finden.

Als wir die Kaffeefinca erreichten begrüsste uns Padre Joe mit der Frage, wie viel Zeit wir denn hätten. Aus einem Nachmittag wurden drei Tage…

Wie es dazu kam: Nach dem Mittagessen führte uns Padre Joe durch die Finka. Er erklärte uns die Kaffeeherstellung und zeigte uns, die für Südamerika hochmodernen Verarbeitungsmaschinen. Er lud uns ein, eine Nacht auf der Finca zu campieren, denn am folgenden Morgen werden sie Kaffee rösten. Diese Gelegenheit liessen wir uns nicht entgehen und so standen wir um 9.00 Uhr im Kaffeelabor. Wir schauten zu, der Röstmeister erklärte uns die Schritte und vermehrt wurden wir in den Herstellungsprozess miteinbezogen. Der Meister war zufrieden mit seinen Lehrlingen. Schlussendlich rösteten wir unter Aufsicht unseren Edelkaffee.

Wusstest du, dass der Kaffee, welchen wir konsumieren zu stark geröstet ist? Deshalb muss er mit Milch oder Zucker getrunken werden. Ein gut verarbeiteter Kaffee wird schwarz getrunken, verursacht kein Magenbrennen und schmeckt köstlich. Doch hinter diesem Genussgetränk steckt eine Menge (Hand)Arbeit. Die Bohnen können vor dem Trocknen gewaschen, fermentiert oder gleich luftgetrocknet werden. Je nach Fermentierungslänge ändert sich anschliessend der Geschmack. Ist in den Bohnen noch 11% Feuchtigkeit enthalte, werden Sie sortiert und anschliessend geröstet. Defekte und von Parasiten befallene Bohnen werden aussortiert. Die anschliessende Röstung wird streng überwacht, denn der Zeitpunkt der perfekten Röstung darf nicht verpasst werden. Ansonsten schmeckt der Kaffee bitter. Nach der Röstung werden die Bohnen nochmals von Hand erlesen und abgepackt.

Grossverteiler kaufen die Bohnen zusammen, rösten diese und verpacken sie anschliessend. Es findet keine Aussortierung statt und da die Bohnen teilweise noch grün oder defekt sind, werde sie einfach lange geröstet. Dies gibt einen einheitlichen (bitteren) Geschmack.

Die aussortierten (schlechten) Bohnen wirft die Finca Loyola nicht weg, Grossverteiler wie Nespresso verwenden diese für ihre Spezialproduktionen…

Der geröstete Kaffee wurde am nächsten Tag im Labor von mehreren Kaffeeexperten getestet und kritisiert. Bei dieser Analyse durften wir erneut dabei sein. So wurde aus einem Nachmittag drei Tage!

Es war unglaublich interessant zu sehen, welche Arbeit hinter einem hochwertigen Kaffee steckt und wie die Qualität des Kaffees auch immer wieder überwacht wird. Vielen Dank für dieses grossartige Erlebnis!

 

Muchas gracias a Padre Joe, al tosteador José, Diego y todos los trabajeros para este experiencia. Hermosa. Si nosotros vamos a abrir un avez un café en suiza, vamos a tomar unos de los mejores cafés del mundo, el Café de villa Loyola!