Vom Abschiednehmen und Wiedersehen

13. Juli 2018

Unsere Reise führte uns von Guayaquil wieder ins Hochland. Eigentlich wollten wir in den Nationalparks wandern und einen Vulkan besteigen. Leider spielte das Wetter nicht richtig mit. Auf der Fahrt über die Vulkanstrasse sahen wir keinen einzigen Vulkan. Höchstwahrscheinlich hat mich mein Vulkanpech wieder eingeholt. Für alle, die noch nie mit mir vor oder auf einem Vulkan standen: Befinde ich mich in der Nähe eines Vulkans, so ist dieser meistens nicht zu sehen!

Da es ebenfalls wieder kalt wurde, entschlossen wir uns, nach Mindo zu fahren. Bei angenehmen Temperaturen wanderten wir durch das Vogelparadies und lernten den Verarbeitungsprozess des Kakaos zur Schokolade besser kennen. Wusstest du, dass der Prozentgehalt der Schokolade ebenfalls den Anteil Zucker festhält. 80% schwarze Schokolade enthält 80% Kakaomasse und 20% Zucker.
Auf der anschliessenden Fahrt nach Quito überquerten wir mehrmals den Äquator. Das offizielle Denkmal befindet sich jedoch nicht auf der Äquatorlinie. Wie wir beim Besuch dessen jedoch lernten, ist der Äquator ein fünf Kilometer breites Band um die Erde. Das sich dieses nicht aufzeichnen lässt ist ja klar!

Nach 287 Tagen erreichten die Mitte der Welt (Kitu, wie die Stadt Quito auf Quechua genannt wird, bedeutet Mitte). Die koloniale Altstadt gefiel uns sehr. Es ist ein Ort voller Leben und Traditionen. Während der Wachablösung konnten wir einen Blick auf den aktuellen Präsidenten werfen.
Der Stadtlärm trieb uns wieder in die Natur. Etwas nördlich von Quito lernten wir die Familie von Valentin kennen. Wir wurden auf dem Camping Mitad del mundo herzlich empfangen. Bei Kaffee und Kuchen wollte jeder erst einmal wissen, von wo wir kommen. Abends wurde gemeinsam gekocht. Wir schälten Garnelen. Amüsiert schauten die Kinder zu, wie ungeschickt wir uns anstellten. Beim Essen diskutierten wir über das Leben in Ecuador. Nach drei Tagen bei Valentin fiel uns die Weiterreise wieder einmal schwer. Reisen heisst immer wieder Abschied nehmen. Dies fällt nicht jedem einfach. In Ecuador durften wir unglaublich offene, nette Leute kennen lernen. Wir verbrachten jeweils eine tolle Zeit miteinander. Rasch wurden wir Teil der Familie. Wer verlässt schon gerne seine Familie?

Eins ist klar, irgendwann werden wir zurückkehren, um all diese grossherzigen Menschen wiederzusehen.
Unsere Fahrt Richtung kolumbianische Grenze verlief anders als geplant. Nach dem Abschiednehmen durften wir uns über ein Wiedersehen mit Tobias freuen. Er erzählte uns von den Mangroven und einer abenteuerlichen Zugfahrt im Dschungel. Das Gebiet ist jedoch touristisch kaum erschlossen und teilweise gefährlich. Die Drogenmafia bekämpft die Armee und schmuggelt rege Drogen nach Kolumbien. Seit ein paar Wochen ist es jedoch ruhig in der Gegend, sodass wir einen Abstecher nach San Lorenzo wagen konnten. Hans, ein in Ecuador lebender Deutscher führte uns in ein kleines Paradies. Dass sich in diese Gegend kaum Touristen verirren, bezeugten die Blicke der Einheimischen. Schüchtern und dennoch neugierig betrachteten sie uns. Sie zeigten uns, wie sie Kakao, Zuckerrohrsaft, Kokosraspeln, Palmöl herstellen und gaben uns frischen Kokosnusssaft. Das Highlight unseres Ausfluges war jedoch ohne Zweifel die Zugfahrt durch den Dschungel. Ich weiss zwar nicht, ob sich dies Zugfahrt nennen darf. Das Gefährt ist eine Eigenkonstruktion der Einheimischen, welche damit ein entlegenes Urwalddorfbeliefern. Unser Glück, dass an diesem Dorf keine Strasse vorbei führt. So kann diese Bahnstrecke auch heute noch befahren werden. Es ist in Worten kaum zu beschreiben, wie abenteuerlich und schön die Fahrt ist. Deshalb lassen wir die untenstehenden Bilder für sich sprechen.
Nun steht uns ein weiterer Abschied bevor. In wenigen Tagen werden wir nach Kolumbien einreisen. Somit verlassen wir Ecuador, ein Land, das wir mit vielen tollen Begegnungen verbinden.

Galapagos - Urlaub im Paradies

24. Juni 2018

Der Wind bläst mir ums Gesicht. Die See ist unruhig. Ich blicke auf den Horizont. Es ist kaum etwas zu sehen. Es herrscht dunkle Nacht. Das Schiff manövriert über die Wellen. Die sind in der Trockenzeit höher und oftmals befindet sich über dem Land eine dünne Wolkenschicht. Die Leute nennen die Zeit Garua. Im Hochland setzt der Nieselregen (Garua) ein. Weshalb diese Zeit Trockenzeit genannt wird, wird einem erst bewusst, wenn die Vegetation in der Küstengegend betrachtet wird. Die Bäume tragen kaum mehr Blätter und der Boden ist staubtrocken. Nur die hohen Vulkangipfel können vom kostbaren Nass profitieren. Faszinierend, dass dennoch so viel Leben zu finden ist. Wir befinden uns im Paradies, weit ab vom ecuadorianischen Festland!
Zu den Galapagosinseln zählen 13 Hauptinseln und 6 kleinere Inseln, von welchen die wenigsten einen Namen haben. Fünf dieser Inseln sind bewohnt.

Seit fast einer Woche schippern wir durch die Insellandschaft. Am 17. Juni gingen wir an Board der Angelito und betraten somit eine andere Welt. Damit meine ich nicht das Schiffsleben, dieses ist und mittlerweile bestens bekannt. Die Flora und Fauna ist einfach einzigartig. Viele der hier vorkommenden Pflanzen und Tiere sind endemisch, leben nur in dieser Inselgruppe oder sogar nur auf einzelnen Inseln.
Vor fast einer Woche segelte die Angelito aus dem Hafen von Baltra und erreichte kurz darauf Playa las Bachas. Fasziniert von der wunderschönen Landschaft liefen wir über den weissen Sandstrand, über Lavagestein, vorbei an einer Lagune. In der Lagune filterten einige Flamingos Krill. Der Gold-Waldsänger näherte sich neugierig. Am Rande der Lagune sonnten sich Meerechsen. Auf den schwarzen Lavasteinen assen rote Klippenkrabben, alles was ihnen zwischen die Schären kam. Diese Krabben sind Kannibalen und fressen neben Algen auch ihre Artgenossen. Wie einzigartig die Tierwelt ist, zeigt sich in ihrem Verhalten. Die Tiere sind keineswegs scheu.

Über Nacht segelte unser Schiff zur Isla de Mosquera., eine etwas nördlich von Baltra liegende Sandinsel. Auf dem weissen Sand sonnten sich die Seelöwen. Einige spielten im Wasser. Etwas abseits der Gruppe entdeckten wir eine Mutter mit ihrem wenige Tage alten Jungtier. Auch etwas kleinere Tiere gab es zu beobachten. Lavaechsen und Meerechsen sonnten sich auf den Steinen, ein Lavareiher versuchte die kleinen Krabben zu erwischen und einige Fregattvögel flogen über die Insel. Doch nicht nur die Tierwelt an Land ist beeindruckend. Schnorchelnd entdeckten wir die Welt zu Wasser nahe der Klippen der nebenanliegenden Insel. Unzählige bunte Fische tummelten sich im kühlen Nass. Nachmittags besuchten wir die Bucht Dragon Hill (Isla de Santa Cruz). Einer meiner Lieblingsplätze im Paradies. Hier sind Kaktuswälder, Mangroven und einige endemische Pflanzen zu finden. In der grünen Landschaft liessen sich unterschiedliche Landvögel beobachten. Neben den uns bereits bekannten Tieren entdeckten wir Landleguane und Blaufusstölpel. Ihre knallig scheinenden Füsse setzen sie gekonnt im Balzverhalten ein. Sie sind Meister der Jagd und stechen mit grosser Geschwindigkeit ins Meer. Stundenlang konnten wir sie beim Jagen auf See beobachten.

Erneut segelte die Angelito über Nacht weiter. Als wir morgens aus dem Fenster blickten, befanden wir uns vor der Isla Isabela, genauer gesagt beim Tagus Cove. Auf der Wanderung zum Darwins Vulcano Viewpoint bestaunten wir fasziniert die Vulkanlandschaft. Einige der Vulkane auf Galapagos sind aktiv. Der letzte Ausbruch fand auf Fernandina eine Woche vor unserer Ankunft statt. Zu dieser Insel segelten wir am Nachmittag, doch leider war keine Aktivität zu sehen. Wir besuchten den Punta Espinoza. Einer der grössten Meerechsenkolonien lebt auf dieser Insel. Zu hunderten lagen sie auf den warmen Lavasteinen. Ebenfalls sahen wir eine Schlange, den Galapagos – Bussard sowie den Stummelkormoran.

Unsere Route führte uns wieder zurück zur Insel Isabela, der grössten der 19 Inseln. Am folgenden Tag bestaunten wir in der Urbina Bay die Riesenschildkröten, Landleguane und Vogelvielfalt. Im Wasser schnorchelten wir mit Pinguinen und Seelöwen. Auch im Wasser sind die Tiere neugierig. Die Seelöwen guckten neugierig in unsere Gesichter. Die gemütlich, elegant schwimmenden Suppenschildkröten konnten wir beim Fressen beobachten. Riffhaie streiften umher. In der ein Stück weiter südlich liegenden Elizabeth Bay bestaunten wir nachmittags die Schönheit der Mangrovenwälder. Auf der Überfahrt begleiteten uns über 50 Delfine. Ein unglaublich schöner Moment. Ebenfalls in Punta Morena bestaunten wir die Flora und Fauna, bevor wir freitags in Puerto Villamil das erste Mal wieder auf Zivilisation stiessen. Uns war der Trubel nach der Ruhe in der Natur zu viel. Nach dem Besuch des Riesenschildkrötenschutzzenter, und dem Aufstieg zum Aussichtspunkt des Vulkans Sierra Negra, liefen wir den Camino de las Tortugas hoch zum Cerro Ortillia. Von hier aus genossen wir einen schönen Blick auf die Bucht.

Doch auch in den Dörfern/ Städten auf Galapagos lassen sich viele Tiere finden. So auch in Puerto Ayora. Hier lagen die Seelöwen mitten auf dem Platz. An der Postoffice Bay hinterliessen wir zum Schluss unsere Postkarte. In diesem Fass hinterliessen sich in frühen Zeiten bereits die Seemänner Mitteilungen. Wer eine Postkarte findet, welche an eine Person in seiner Wohnnähe adressiert ist, nimmt diese mit und stellt sie zu. Wir sind gespannt, ob unsere Karte ankommt…

Es ist erstaunlich, was wir in den letzten Tagen alles sehen und erleben durften. Uns bleibt noch das letzte Stück nach Baltra, eine letzte Übernachtung auf dem Schiff. Ich geniesse nochmals die Meeresluft und steige zur Kabine hinab. Ein letztes Mal schaukeln mich die Wellen, begleitet vom konstanten Motorgeräusch, in den Schlaf.

 

Wir möchten uns ganz herzlich bei allen Leuten bedanken, die diesen Trip unvergesslich machten. Nun sind wir wieder zurück auf dem Festland und müssen die Eindrücke und Emotionen erst einmal ordnen, bevor wir weiterreisen können.

Ein Zuhause in Cuenca

12. Juni 2018

Nach zwei Stunden waren wir in Ecuador eingereist. Als wir um 8-30 Uhr vor dem Zollgebäude standen musste der Zöllner erst einmal aufstehen. Dies obwohl der Zoll 24 Stunden geöffnet ist….Im Raum stand ein Tisch mit einem Computer. Bei der Einfuhr des Fahrzeuges sah das Bild des Raumes ähnlich aus. Hier war noch ein Drucker vorhanden. Im hintersten Winkel des Dschungels funktioniert das Netz jedoch selten und so musste der Papierkram per Telefon an eine andere Stelle übermittelt werden. In einem südamerikanischen Tempo ging es vorwärts.
Auf unserem Weg Richtung Norden legten wir einen kurzen Zwischenstopp in Vilcabamba ein. Wir genossen die angenehme Wärme. Kein Wunder werden viele Leute hier angeblich über 100 Jahre alt. Das Klima ist perfekt. Hundertjährige haben wir jedoch keine angetroffen. 
Unser erstes Ziel in Ecuador war Cuenca, die Stadt des Panamahutes. Mitten in der Stadt durften wir in einem Hinterhof campieren. Bei Miriam wurden wir mit offenen Armen empfangen. Hier fanden wir für eine Woche ein Zuhause.
Miriam führt ein kleines AirBnB. Ihre Herzensangelegenheit sind jedoch aufgrund ihrer Vergangenheit die Overlander. Vor zwei Jahren wurde sie wie auch ihr Mann arbeitslos. Um zu arbeiten zog ihr Mann in eine andere Stadt. Miriam versuchte mit den wenigen Rappen , die sie hatte, ihre beiden Kinder zu ernähren. Eines Tages brachte sie ein Reisender auf die Idee, Overlander in ihrem Hinterhof parken zu lassen und damit ein wenig Geld zu verdienen. Diese Idee verfolgte sie weiter und bei der zentralen Lage liessen die Overlander nicht lange auf sich warten. Als die Reisenden angeblich bemerkten, dass es der Familie an Nahrungsmitteln fehlt, haben sie begonnen immer etwas mehr einzukaufen und im Kühlschrank zurück zu lassen. So konnte Miriam ihren Kindern auch Früchte in die Schule mitgeben. Zwei Jahre später arbeitet ihr Mann nun wieder in Cuenca und verdient sehr gut. Miriam ist den Reisenden so dankbar, dass sie ihnen gerne etwas zurückgibt. Schritt für Schritt baut sie den Hinterhof zum Campieren um. Oftmals setzte sie  sich zu uns an den Tisch und erzählte uns über das Land und die Leute. Sie lud uns zu einem typischen Gericht ein und brachte und einen warmen Schnaps, als wir mit Boris und Carla abends noch draussen sassen. Aufgrund ihrer Art verblieben wir eine Woche in dieser Stadt. Solche Begegnungen und Geschichten sind es, welche das Reisen interessant machen.
Auf einem Bummel durch die Altstadt lernten wir die Geschichte und das Produktionsverfahren der Panamahüte kennen. Aufgrund dieser besuchten wir ja eigentlich die Stadt. Der Hut kommt, obwohl der Namen etwas anderes vermuten lässt, tatsächlich aus Ecuador. Die Palmblätter, welche für das Weben verwendet werden wachsen nur an der ecuadorianischen Küste. Sie werden gepflückt, gekocht, aufgefächert, getrocknet und anschliessend von Hand geflochten. Nur die letzten Schritte werden mit „Maschinen“ verarbeitet. Der geflochtene Hut wir weich geklopft und anschliessend mit Dampf in die Form gepresst. Je nach dem mit wie vielen Strängen geflochten wird ist sein Preis. Für einen „superfino“, bester Qualität, braucht ein Weber drei vier Monate. In Ecuador kostet er bis zu 1000 Franken. In Europa werden Preise bis zu 30‘000 Franken hingeblättert. Wieder einmal ein bestes Beispiel dafür, dass die Arbeit hier kaum Wert hat.

Nach der tollen Zeit in Cuenca reisten wir weiter an die Küste. Im privaten Naturschutzgebiet „Bosque Cerro Blanco“ genossen wir ein paar Tage die Natur, trafen beim Wandern auf Affen, Nasenbären, Taranteln und Agutis.

Nun befinden wir uns in Guayagqul. Morgen werden wir auf die Galapagosinseln fliegen und uns eine Auszeit vom Campingleben gönnen. Bereits in dieser grossen Metropole lassen sich in den Parks unzählige Tiere beobachten.