Übernachten bei den Affen, Taranteln und Mücken

18. April 2018

Nach über zwei Monaten im Altiplano, in der Kälte, würden wir nun endlich die Abende draussen, an der Wärme geniessen können. Von La Paz aus reisten wir zu dritt weiter. Über die Todesstrasse ging es erst einmal nach Coroico. Diese einst einer der gefährlichsten Strassen der Welt, wollten wir fahren. Heute wird jedoch nur noch viel Wirbel darum gemacht. Mittlerweile ist sie längst nicht mehr gefährlich. Die Strasse ist landschaftlich wunderschön, Lastwagenbreit und somit kein Problem für unseren Landy. Gegenverkehr gibt es, seit die Strecke von Mountainbikern genutzt wird, auch keinen mehr. Etwas enttäuscht kamen wir in Coroico an. Auf unserem Trip durch den Dschungel fuhren wir weitaus spektakulärere, sowie gefährlichere Strassen.

Je weiter wir uns Rurrenabaque näherten, desto wärmer und feuchter wurde es. Erst genossen wir die angenehmen Temperaturen und verbrachten die Abende draussen. Zunehmend hatten wir mit der tropischen Hitze und vor allem mit den Mücken zu kämpfen. Dies sollte uns jedoch nicht von einem Dschungelabenteuer abhalten. Von Rurrenabaque aus unternahmen wir einen sechstägigen Trip in den Madidi Nationalpark sowie in die Pampa. Der Besuch beider Naturschutzgebiete ist nur mit Führer möglich. Mashaquipe Tours vermittelte uns Domingo, welcher sich als Glücksgriff entpuppte. Domingo unternimmt bereits seit 17 Jahren Touren durch den Dschungel. Er ist sein zweites zu Hause. Sein Wissen über die Pflanzen und ihre Heilkräfte sowie auch über die Tiere ist unglaublich gross. Schnell übertrug sich seine Begeisterung für den tropischen Regenwald auf uns. Bevor wir den Madidi Nationalpark betraten, besuchten wir eine Urwaldgemeinschaft. Wir lernten etwas über die Arbeit und das Leben der Leute und stellten auf traditionelle Art und Weise Zuckerrohrsaft her. Anschliessend stürzten wir uns ins Abenteuer. Mehrere Tage marschierten wir durch den Regenwald und übernachteten auf einem rustikalen Camping oder in einer Lodge. Ich bevorzugte das Campieren. Die Geräusche, die Gerüche und die Atmosphäre des Waldes nahm ich dadurch viel intensiver war. Geduscht wurde im Fluss, gekocht auf dem Feuer. Rundherum flatterten bunte Schmetterlinge und zwischendurch brüllten Affen. Auf unseren Wanderungen trafen wir auf den kleinsten Affen des Regenwaldes, auf eine Familie von Braunkopfklammeraffen, auf Brüllaffen, Taranteln, eine Regenbogenschlange, rot-grüne Aras, Tukane, Ameisen und andere Insekten.

Mich faszinierte Domingos Freude und Dankbarkeit, wenn wir auf Tiere trafen. Er bedankte sich jeweils bei Pachamama (der Mutter Erde). Klar übertrug sich diese Freude auf uns. Je weiter wir durch den Dschungel marschieren mussten, um ein Tier zu finden, desto grösser war die Freude. Wann immer möglich waren wie unterwegs. An einem Nachmittag regnete es jedoch so stark, dass wir unseren Fussmarsch auf den frühen Abend verlegen mussten. Wieder einmal erlebten wir die Gewalt der Natur. Innert wenigen Stunden verwandelten sich die Trampelpfade in Flüsse. Das ganze Gebiet wurde überschwemmt. Wir wollten uns jedoch die Rückkehr der Aaras nicht entgehen lassen und marschierten los. Nach kurzer Zeit zogen wir unsere Schuhe aus und liefen barfuss durch das Wasser. Gefahren sollte es im Wasser eigentlich keine geben. Die „nasse Wanderung“ machte letztendlich fast mehr Spass als das Beobachten der Aaras. Während den Tagen im Dschungel durften wir viele tolle Erlebnisse sammeln. Der tropische Regenwald ist etwas ganz Besonderes und wird sicherlich eine der schönsten Erfahrungen dieser Reise sein. Nach der anstrengenden Zeit im Regenwald, fuhren wir mit noch zwei Tage mit dem Langboot durch die Pampa. Im naheliegenden Sumpfgebiet von Rurrenabaque lassen sich leicht Tiere beobachten. Auf unserer gemütlichen Fahrt durch das momentan noch stark überflutete Gebiet, trafen wir auf Kaimane, Kapuzineraffen, bolivianische Totenkopfaffen, erneut Brüllaffen, Capyabarafamilien (die grösste Rattenart), ein Faultier, unzählige Vögel, Flussschildkröten und Flussdelfine. Mit letzteren schwammen wir im Fluss. Domingo erklärte uns, dass an Orten, wo sich Delfine aufhalten, weder Kaimane noch Piranhas zu finden sind und somit ohne weiteres gebadet werden kann. Die neugierigen Delfine schwammen dicht an uns vorbei und stiessen uns an. Nur für ein Foto waren sie immer zu schnell!

Über eine abenteuerliche Piste fuhren wir über Mapiri nach Achacachi und kamen letztendlich am Titicacasee an. Zum Glück waren wir mit zwei Fahrzeugen unterwegs. Unser Landy zickte ein wenig herum. Der Filter unserer Dieselpumpe verstopfte immer wieder. Unsere erste Begegnung mit dem schlechten Diesel Boliviens! Wir liessen den Tank auswaschen und hoffen, dass wir nun wieder einige tausend Kilometer weit fahren können! Fürs Erste geniessen wir die Sonnenstunden am tiefblauen Titicacasee!

 

La Paz - In der Zukunft?

2. April 2018

Der neue Alternator war rasch eingebaut und unser Landy wieder abfahrbereit. Die über 500 Kilometer bis nach La Paz absolvierte er mit Bravour. Mehr oder weniger dieselbe Strecke, welche wir mit dem Zug den Tag zuvor gefahren sind, fuhren wir mit dem Fahrzeug wieder zurück. Diesmal jedoch nicht in 7, sondern in 3,5 Stunden. Auf dem Markt in Oruro deckten wir uns unterwegs mit Lebensmitteln ein, legten jedoch keine grossen Pausen ein. Wir freuten uns beide sehr, dass unsere Reise nun wieder weitergeht. Am frühen Abend kamen wir in La Paz an und quartierten uns auf dem Camping Colibri ein. Dieser ist wunderschön, etwas abseits von der Stadt gelegen. In den nächsten Tagen nahmen wir jeweils den Minibus in die Stadt. Auch hier genossen wir es über die verschiedenen Märkte zu schlendern. Die Wurzeln der traditionell gekleideten Verkäuferinnen (Cholitas genannt) führen auf die Aymaras zurück. Die Männer dieser Kultur schätzen kräftige Frauen, da diese die produzierten Waren, in Tücher eingewickelt transportierten. Dieses Bild hat sich bis heute nicht geändert. Die Aymaras zeigen kaum Haut und sind aufgrund der Kälte immer warm gekleidet. Den ganzen Tag preisen sie ihre Ware an. Auffällig sind die Frauen, welche an ihren Ständen bis zu 10 verschiedene Kartoffelsorten verkaufen. In der Region um La Paz werden bis zu 400 verschiedene Sorten angepflanzt. Jedes traditionelle Gericht in Bolivien enthält mindestens drei verschiedene Sorten dieses Gemüses. Die auf dem Markt verkauften Frischwaren stammen alle aus Bolivien. Tropische Früchte werden von Cochabamba oder Rurrenabaque hertransportiert, der Fisch stammt aus dem Titicacasee. Mit Genuss verzehrten wir jeweils unsere Festmenues, welche wir mit den Frischproduckten auf dem Grill zauberten.

Während einer Free-guided-Walkingtour lernten wir die Stadt noch besser kennen. Wir standen vor den Mauern des San Pedro Gefängnisses, das wohl aussergewöhnlichste Gefängnis der Welt (ein eingemauertes Quartier, welches unter Verwaltung der Sträflinge steht), besuchten den Hexenmarkt, erfuhren Details über diese Kultur (z.B. werden beim Hausbau in alle vier Ecken ein toter Lamafötus eingemauert), bestaunten die San Francisco Kirche, bemerkten die rückwärtslaufende Uhr am Nationalkongresshaus und fuhren mit der vor einer Woche eingeweihten „Weissen Linie“ der Telefericos. Letzteres versetzte uns in die Zukunft. Bis jetzt dachten wir, Bolivien sei ein armes, im Vergleich zu den anderen südamerikanischen Ländern „unterentwickeltes“ Land. Hier in La Paz erlebten wir das Gegenteil. Mittlerweile führen sechs Gondellinien über die ganze Stadt. Bis zu 6000 Personen können pro Stunde transportiert werden. So wird der Strassenverkehr entlastet. Befindet sich Bolivien somit nicht in der Zukunft? Ist dies nicht eine Lösung, womit viele Strassennetze in Grossstädten entlastet werden könnten?

Wir sind immer wieder positiv überrascht. Bolivien ist ein unglaublich faszinierendes Land. So haben wir unsere Pläne geändert und werden nun noch zusätzlich in das amazonische Tiefland nach Rurrenabaque fahren. Im Madidi Nationalpark möchten wir die Flora und Fauna des tropischen Regenwaldes besser kennenlernen.

Von Busfahrten mit Schutzengeln, Motorradfahrten im Dschungel und Zugfahrten auf holprigen Schienen

28. März 2018

Zwei Wochen waren wir nun ohne unseren Landy unterwegs. In dieser Zeit testeten wie verschiedene öffentliche Verkehrsmittel und genossen die Spaziergänge durch die Städte. Unser Fahrzeug stand sicher in Uyuni und so mussten wir uns nicht um Parkplätze kümmern. Auf unserer Rundreise von Potosí nach Sucre, weiter nach Cochabamba in die Champare (Dschungel) über Oruro zurück nach Uyuni lernten wir die Leute, die Landschaften aber auch die Probleme des Landes besser kennen. Bolivien ist ein Land, das bereist und selbst entdeckt werden muss. Es gibt so vieles, welches kaum in Worten beschrieben werden kann. Die Menschen sind unglaublich freundlich. Supermärkte gibt es hier kaum noch. Eingekauft wird auf den Märkten. Was in Europa als Hipster-Umweltladen aufgebaut wird (bring deine eigene Verpackung) ist hier gang und gäbe. Riesige Säcke Teigwaren, Reis und Mehl stehen am Strassenrand. Abgewogen wird mit Gewichten. Ebenfalls Kleidung, Toilettenartikel, Elektrowaren und Tiere können im Mercado Central erworben werden. Uns fasziniert die Auswahl an Früchten und Gemüse. Mit etwas Bedauern schlenderten wir jeweils an den Ständen vorbei. Zu gerne hätten wir jeweils selbst gekocht. Täglich gönnten wir uns einen frisch gepressten Fruchtsaft. Verpflegt haben wir uns jeweils bei den Essständen auf dem Markt. Für 10 Bolivianos (1.40 Franken) gibt es ein Menu completo (Suppe und typisches Gericht). Wir rätselten in jeder Stadt von neuem, wie viel diese "Restaurants" wohl verdienen. Dass es eines der ärmsten Länder Südamerikas ist, erlebten wir oftmals auf der Strasse. Viele alte Menschen betteln und Kinder versuchen Arbeit oder Süsswaren zu verkaufen. Hier geht es ums Überleben. Sozialsysteme und Arbeitslosengelder existieren nicht. Assen wir auf dem Markt luden wir auch mal einen alten Bettler ein. Die Augen dieser Leute strahlen bei einer warmen Suppe (70 Rappen). Gerne möchten wir von dem was wir haben auch etwas abgeben.

Nun aber zu unserer Reise zurück. Von Potosí ging diese mit dem Bus nach Sucre. Ebenfalls Sucre, die weisse Stadt, ist in ihrer Bauweise von den Spaniern geprägt. Es herrscht viel Leben. Die Leute sind westlicher gekleidet und der Verkehr zirkuliert in den engen Gassen nicht mehr so entspannt. Es wird gehupt und auch schon mal die Vorfahrt genommen. Von hier aus unternahmen wir einen Ausflug an den Karneval von Tarabuco. Die Fahrt in das 60km entfernte Andendorf dauerte zwei Stunden. Bunt gekleidete Männer und Frauen tanzten durch die Gassen. Es wurde gesungen und auf selbst kreierten Instrumenten gespielt. Einzelne Gruppen präsentierten ihre Tänze. Das Ganze war etwas chaotisch, hatte aber unglaublichen Charme.

Von Sucre flogen wir nach Cochabamba. Mit dem Bus hätte die Strecke (312km) 11 Stunden gedauert. Hinzu kommt, dass sie nur in der Nacht gefahren wird und Nachtfahrten wollen wir vermeiden. Die Strassen sind schlecht und bei Nacht sicherlich nicht einfach zu fahren. Die Boing 737 brachte uns in 25 Minuten mit viel Komfort in die Stadt des dauernden Frühlings. Hier in Cochabamba trafen wir auf Daniel und Veronique. Gemeinsam assen wir Abendessen und tauschten Erfahrungen aus. Am folgenden Tag reisten wir mit dem Sammeltaxi nach Villa Tunari, in den Dschungel. Somit testeten wir ein weiteres Verkehrsmittel. Dazu muss gesagt werden, dass dieses Verkehrsmittel unkompliziert, effizient und billig zugleich ist. Es braucht jedoch Nerven und jede Menge Schutzengel.

Die mehr als 2500 Höhenmeter fahren die Minibusse in weniger als 3,5 Stunden. Die 160 km lange Strasse schlängelt sich in die Tiefe. Unsere Freunde mit ihrem Unimog brauchten dafür 7 Stunden! Die Fahrt hat sich jedoch gelohnt. Drei Tage verachten wir in Villa Tunari im tropischen Regenwald. Im Xx Nationalpark unternahmen wir eine Führung zu den Cuevos de los Gucharos. Unterwegs lernten wir viel über die Pflanzen und Insekten. In Höhlen entdeckten wir Fledermäuse und hörten die Guacharos (nachtaktive Vögel) kreischen. In Villa Tunari bewegten wir ums grösstenteils mit den Motoconcho, den Mototaxis fort. Bezahlt wird hier per Moto. So ist es üblich, dass mindestens zwei Passagiere auf einem Moto sitzen. So sausten wir über die Landstrassen. Ich genoss den warmen Fahrtwind und die Freiheit. Im Dschungel herrschen noch weniger Regeln als sonst. Die zweite Möglichkeit wären die Sammeltaxis gewesen. In einem normalen PKW sind meistens mehr als acht Personen. Der Kofferraum bleibt während der Fahrt offen, damit die Leute im Kofferraum ihre Beine nach draussen strecken können.

Leider war der Trip in den Dschungel nur kurz. Unser Alternator befand sich bereits in Santa Cruz und so mussten wir langsam die Rückreise in Anspruch nehmen. Mit dem Bus nach Oruro (hier verschwand unsere kleine Kamera in den Strassen der Stadt, deshalb gibt es nun kaum Fotos dieser zwei Wochen) und anschliessend mit dem Zug nach Uyuni. Letzteres ist unser Fortbewegungsfavorit. Und dies obwohl es fast 1,5 Mal so lange dauert wie der Bus und mindestens genauso schüttelt wie bei einer Busfahrt. Die Landschaft kann genossen werden, es gibt Toiletten, wir konnten umhergehen und hatten genügend Zeit zu fotografieren. Die Fahrt war toll. Nun ist unser Landy wieder fit und morgen geht es auf eigenen Rädern wieder nach Norden. Unser Ziel ist die höchstgelegene Stadt der Welt.

La montaña que come los hombres vivos - Der Berg der Menschen frisst

15. März 2018

Von Uyuni reisten wir in vier Stunden mit dem Bus nach Potosí. Mir war nicht bewusst, dass das Hochland Boliviens so hügelig ist. Die Strasse schlängelt sich über einige Kilometer hoch, um nach einer kurzen Anhöhe sich wieder nach unten zu winden. Kein Wunder brauchen wir für die 215 Kilometer so lange. Potosí liegt auf 4065müM. und ist nach La Paz die zweithöchst gelegene Stadt der Welt. Bereits während der Kolonialzeit erlangte sie durch ihre Silbervorkommnisse internationale Bedeutung. Die Spanier liessen zu dieser Zeit von der indigenen Bevölkerung im grossen Stil das wertvolle Erz abbauen. Daraus entstanden neben kostbaren Alltagsgegenständen auch Münzen. Das aus 93% Silber bestehende Geld wurde in Potosí unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt, in der ganzen Welt gehandelt (war der damalige US$) und so kostbar, dass jeder, der mit einer Münze bezahlte, erst ein kleines Stück anbrach, bevor er sie weiterreichte. Die Spanier erlangten grossen Reichtum, während ca. 8 Millionen Indigene den Tod fanden. Für die Bolivianer gilt der Cerro Rico bis heute als Berg des Teufels. Auch heute noch wird Silber abgebaut. Mittlerweile gleicht der Berg mit seinen über 400 Minen einem Schweizer Käse und ist höchst einsturzgefährdet. Viele ehemalige Bergarbeiter bieten in eine der noch 180 aktiven Minen Führungen an.

Wir überlegten uns lange, ob moralisch korrekt ist, Menschen bei schweren Arbeitsbedingungen zuzusehen. Über die Minenarbeit wird viel erzählt, geschrieben und auch einige Filme wurden gedreht. Und so entschieden wir uns dazu, uns ein eigenes Bild davon zu machen. Pedro arbeitete selbst 8 Jahre in der Mine. Die Arbeiter sind Teil seiner Familie, wie er uns erzählt. Seit 25 Jahren komme er fast täglich in die Mine. Wir schätzen ihn auf höchstens 35 Jahre! Somit müsste er bereits als Kind in der im Berg gearbeitet haben... (Über Kinderarbeit wird jedoch geschwiegen. Jugendliche helfen am Wochenende teilweise ihren Vätern das Gestein aus dem Berg zu bringen). Bevor wir jedoch zum Cerro Rico fahren, zeigt er uns eine Erzverarbeitungsfabrik. Die Maschinen stammen aus dem letzten Jahrhundert. Unglaublich, dass sich dies lohnt. Pedro erklärt uns, dass das Silber und der Zink nicht rein hergestellt werden können. Zu einem guten Preis wird es an Chile verkauft, welche über die Techniken verfügen und weitaus mehr Gewinn erzeugen als Bolivien. Es scheint auch niemand so viel investieren zu wollen. Weiter erzählt der junge Bolivianer, dass das Gestein des Cerro Rico viele kostbare Schätze enthält. Die Arbeiter müssen sich jedoch entscheiden für welche zwei Metalle sie bezahlt werden wollen. Der Gehalt der ausgewählten Metalle wird mittels einer Analyse bestimmt und der Arbeiter anschliessend ausbezahlt. So arbeitet jeder für sich. Jeder sucht seine Ader, baut das Gestein ab und organisiert den Transport zur Verarbeitungsfabrik. In der Mine, welche wir besuchen arbeiten 15 Leute. Im gesamten Berg arbeiten um die 5000 Personen. Wie viele es genau sind, weiss keiner genau. Ebenfalls wie viel Silber bereits abgebaut wurde, ist unbestimmt. Auf dem Weg legen wir einen kurzen Zwischenstopp auf dem „Minerosmarkt“ ein, um Geschenke für die Arbeiter zu kaufen. Da sie selbständig arbeiten, freuen sie sich über Saft, Kokablätter und Dynamit. Richtig, letzteres gibt es hier ganz einfach auf dem Markt zu kaufen.

Ausgerüstet mit Helm, Mundschutz und Anzug geht es in die Gänge des Schweizer Käses. Zwischendurch müssen wir uns immer wieder gegen die Wand drücken, um den Mineros mit ihren Schubkarren den Weg frei zu machen. Bevor wir in das Berginnere vordringen bitten wir Tio (den Teufel) um Gnade. Pedro kaut Kakaoblätter und bespritzt die Erde vor Tios Füssen mit 96% Alkohol und gibt ihn anschliessend reihum. Ich hoffte, dass das Befeuchten meiner Lippen reicht, um Tio an meiner Seite zu haben. Auf dem Weg durch die Gänge treffen wir immer wieder einmal auf Arbeiter. Diese freuen sich über das Interesse und wahrscheinlich noch fast mehr über die Geschenke. Es arbeiten keine professionell Ausgebildeten im Berg. Das Wissen wird von Generation zu Generation weitergegeben. Ein Arbeiter erklärt uns, wie die Qualität des Gesteins bestimmt werden kann. Unglaublich, wir sehen kaum einen Unterschied. Ein weiterer Arbeiter bereitet eine Sprengung vor, welche wir sicherer Entfernung miterleben (ein dumpfer Knall). Rasch einmal verlieren wir die Orientierung. Links, rechts, Leiter hoch, Vorsicht Loch, dann wieder rechts etc. Glücklich stehen wir nach drei Stunden wieder draussen vor dem Berg. Pedro erklärt, dass wir nur wenige hundert Meter im Berg waren. Tief drinnen sei es viel zu gefährlich. Über Unfälle schweigt er. Wir wissen aber, dass der Berg auch heute noch Menschen frisst.

Lagunenrute - 400 Kilometer Wellblech!

13. März 2018

Über den Grenzübergang Hito Cajon reisten wir nach Bolivien ein und durften miterleben, wie sehr sich Chile und Bolivien mag. Die chilenische, wie auch die bolivianische Grenze öffnen um ca. 8.00 Uhr. Da es jedoch einen Zeitunterschied von einer Stunde gibt, muss, wird die Grenze in Chile um 8.00 Uhr überquert, vor dem bolivianischen Grenzhaus eine Stunde gewartet werden. Wir nutzten diese Zeit um uns bei Einheimischen über den Weg der Lagunenrute zu erkundigen. Die Westroute sei „muy feo“, die Touren würden alle die Ostroute fahren. Wie oft haben uns die Leute schon vor Wegen gewarnt, welche letztendlich gar nicht so schlimm waren. Mal sehen!

Während den Grenzformalitäten wurden wir mehrmals gefragt, wie lange wir in Bolivien bleiben möchten. Ehrlich gesagt wissen wir es nicht genau. Um jedoch genügend Zeit zu haben erwähnten wir jeweils 60 Tage. Der anwesende Polizist erwiderte jedoch mehrmals, dass nur 30 Tage möglich seien und wir die Restlichen bei der Migration beantragen müssen. Nun dann werden wir dies so machen. Als der Zöllner uns jedoch nochmals fragte, wie lange wir im Land bleiben möchten, antwortete ich mit einem netten Lächeln 60 Tage. Er nahm einen Stempel hervor, hauchte ihn an und stempelte uns 90 Tage in den Pass… Jetzt sind wir also in Bolivien angekommen. Bereits bei der Einreise spüren wir den Kulturunterschied.

Was uns auf den kommenden 400km jedoch erwartete, hätten wir beide nicht gedacht. Viele Overlander und Touristen schwärmen von der Lagunenrute. Eine der schönsten Strecken Südamerikas. Landschaftlich können wir dem völlig zustimmen. Der Weg führt an verschieden farbigen Lagunen, schneebedeckten Vulkanen und unglaublich faszinierenden Gesteinsformationen vorbei. Immer wieder gibt es interessantes zu entdecken. Die Laguna Verde beispielsweise ändert um die Mittagszeit ihre Farbe. Das bläulich schimmernde Wasser wechselt durch die Einstrahlung der Sonne zu smaragdgrün. Das Phänomen beginnt in der Mitte der Lagune und breitet sich kontinuierlich bis an den Lagunenrand aus. Ebenfalls die Laguna Colorada ändert je nach Licht und Wind ihre Farbe. Von dunkelrot, grün bis schwarz! Flamingos fischen in ihr über mehrere Stunden nach Krill und lassen sich durch Touristen nicht stören. Wir waren beeindruckt, doch die üblen Wellblechpisten zerrten bereits jetzt an unseren Nerven. Egal welchen Weg wir wählten, klapperten unsere Zähne und unser Landy schien auseinanderzufallen. Bei der Laguna Colorada trennen sich die beiden möglichen Routen. Nochmals erkundigten wir uns nach dem Wegzustand. Muy feo – hässlich! Wir konnten uns kaum ausmalen, was uns erwarten würde. Bereits dieser Weg schien uns muy feo! So entschieden wir uns die Ostroute zu nehmen. Doch auch diese wurde immer wie übler. Wir konnten die tolle Landschaft kaum geniessen. Die Konzentration lag auf dem Weg. Unser Landy litt und wir mit ihm. Als der Alternator ungewöhnliche Geräusche von sich gab, hofften wir nur noch, dass wir in Uyuni ankommen werden. Die Laguna Negra liess uns unsere Sorgen etwas vergessen. Sie schimmert pechschwarz inmitten einer grünen Oase, welche von roten Gesteinsformationen umgeben ist. Grosse Herden von Lamas weiden auf den Grünflachen und auf der Lagune schwimmen unterschiedlichste Vogelarten (deshalb wird sie auch Laguna de los aves genannt). Ebenfalls vom Blick ins Valley of Anacondas waren wir fasziniert. Wäre unser Fahrzeug noch etwas fitter gewesen, wären wir wohl hinein gefahren. Von San Cristobal an wurde die Piste etwas besser. Letztendlich kamen wir heil in Uyuni an. Unser Landy hat sich tapfer geschlagen. „Nur“ den Alternator müssen wir nun ersetzen. Eine Herausforderung in einem Land, in welchem grösstenteils Toyotas gefahren werden. Doch irgendeine grössere Panne gehört zu einer solchen Reise oder?

Rund um Uyuni unternahmen wir verschiedene Ausflüge. Auf dem Zugfriedhof bestaunten wir rostige Lokomotiven, bummelten durch den Touristenmarkt in Colchani und betrachteten den Sonnenuntergang auf dem Salar de Uyuni. Dieser ist übrigens ¼ so gross wie die Schweiz!