(Boden)Schätze

7. März 2018

Die letzten Wochen verbrachten wir im Norden von Chile und Argentinien. Hier gibt es viele Schätze zu entdecken. Über Cafayate, Salta, Purmamarca nach Humahuaca fuhren wir weiter durch Wüstenlandschaften. Da die Regenzeit einsetzte, ist die Gegend etwas grüner als sonst. Die Büsche und Gräser geben einen wunderschönen Kontrast zu den farbigen Gesteinsformationen. Immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken. Fasziniert betrachteten wir, welche Schätze die Natur zu bieten hat.

Über den Paso Jama reisten wir erneut nach Chile ein. Die Landschaft wurde zunehmend karger. Uns erinnert sie immer ein wenig an Patagonien. Kilometerweit ist dasselbe zu sehen und es bläst ein starker Wind. Von Purmahaca aus erreichten wir die Puna (andine Hochebene) nach einigen hundert Kilometern. In Susques verbrachten wir unsere letzte Nacht in Argentinien. Der Abschied von diesem Land fiel uns beiden schwer. Wir hatten eine tolle Zeit. Eins ist klar, wir werden wiederkommen!

Auf der chilenischen Seite änderte sich die Landschaft. Es ist trockener. Durch Sand- und Gesteinslandschaften fuhren wir an verschiedenen Salzseen vorbei. In San Pedro de Atacama treffen wir auf die beiden Franzosen Daniel und Veronique (dies bereits zum 9 Mal!). Wir geniessen die Zeit bei einem gemeinsamen Abendessen und freuen uns über die Zeit, die wir mit einem Teil „unserer Reisefamilie“ verbringen dürfen. Rund um San Pedro de Atacama gibt es viele Schätze zu entdecken. Bei der Laguna Chaxa beobachteten wir Flamingos, die in den farbigen Wasserlöchern nach Krill fischten. Im Valle de la Luna liefen wir durch eine faszinierende Mondlandschaft. Bei Sonnenuntergang leuchteten die Felsen rot und als der Mond aufging, fühlten wir uns tatsächlich wie auf einem anderen Planeten. Um uns auf unsere Weiterreise ins Hochland vorzubereiten besuchten wir den Geysir de Tatio und campierten auf 4300 müM. Um 6.00 Uhr morgen zeigte unser Thermometer -8°C. Bei klirrender Kälte machten wir uns auf, die Geysire zu besichtigen. Die Rauchfontänen tauchten die umliegende Berglandschaft in eine mystische Stimmung. Bei diesem tollen Anblick gelang es uns, die hunderten von anderen Touristen etwas auszublenden.

Die Extreme der Natur, welche wir rund um San Pedro de Atacama erleben durften, faszinieren uns. In dieser lebensfeindlichen Umgebung wurde uns bewusst, welch grosser Schatz das Wasser ist. Bei jeder noch so kleinen Oase, bei jeder kleinen Wasserquelle ist Leben zu beobachten. Ebenfalls wir erlebten wie kostbar und nicht selbstverständlich es ist, fliessendes Wasser zu haben.

Von San Pedro de Atacama unternahmen wir einen kleinen Abstecher nach Chuquicamata. Diese Ortschaft birgt eine der grössten Schätze Chiles. Chuquicamata ist eines der grössten, vom Mensch geschaffenen, Bodenlöcher. Es ist ca. 5 Kilometer lang, 3 Kilometer breit und über 1km tief. Die grösste Kupfertagbaumine lässt uns staunen. Sofort fallen uns die Trucks auf, welche sich auf den ringsum, serpentinenartig in den Fels gesprengten Strassen die Mine hoch kämpfen. Täglich transportieren sie 400.000 Tonnen Schutt ab. Die meisten dieser Trucks sind made in Germany. Die Facts dieser Gefährte lassen uns weiter staunen. Ein Gefährt verbraucht 3 Liter Diesel pro Minute, rechnet man dies hoch, kann festgestellt werden, dass die Trucks an einem Tag so viel verbrauchen, wie ein normaler Pkw (bei normalem Verbrauch) in zwei Jahren. Die 40‘000 US Dollar teuren reifen reichen für gerade einmal 8 Monate. Nur jeder 5 Truck enthält kupferhaltiges Gestein. Am Tag werden ca. 1000 Tonnen Kupfer hergestellt und somit ein ungefährer Umsatz von 6 Millionen US Dollar pro Tag erwirtschaftet. 14.000 Arbeiter halten die Mine 24 h am Tag 365 Tage im Jahr, mittels drei Wochen Schichten (drei Wochen arbeiten /drei Wochen frei) am Laufen.

Die Mine ist noch lange nicht am Ende. Weitere Schätze des wertvollen Edelmetalls befinden sich noch weitere 800 Meter in die Tiefe. Ab 2019 werden diese Bodenschätze unterirdisch abgebaut. Chile besitzt dann nicht nur das grösste Loch der Welt, sondern auch eines der längsten Tunnelsysteme.

Über diesen Wahnsinn nachdenkend, fuhren wir nach San Pedro de Atacama zurück. Von hier aus geht es morgen weiter nach Bolivien. Wir lassen die wunderschönen Landschaften, die tollen Eindrücke, die herzhaften Begegnungen Argentiniens und Chile hinter uns. All diese „Schätze“ nehmen wir jedoch in unseren Köpfen mit auf unsere Weiterreise.

Viva la patria!

19. Februar 2018

Um 6.00 Uhr standen wir in einer noch längeren Reihe als am Tag zuvor. Richtung Anden blitzte es und wir waren uns nicht sicher, ob wir nicht besser zum Camping zurück fahren und ausschlafen sollten. Letztendlich entschieden wir uns zu bleiben. Dies lohnte sich. Das Gewitter verzog sich und um 7.00 Uhr stand die Gendarmeria auf ihrem Posten. Die Abfertigungen dauerten etwas aber anschliessend konnten wir bei tollstem Wetter über diesen beeindruckenden Pass (4775 MüM.) fahren. Immer wieder staunten wir über die verschneiten Gipfel, die farbigen Berge und die Schneeformationen.

Auf der anderen Seite sollte unser Landy eine neue Bereifung erhalten. In Chile ist es fast um die Hälfte billiger als in Argentinien. Hier trafen wir auf Daniel und Veronique (Freunde unserer Schiffsreise) und verbrachten einen Abend zusammen. Unsere Wege kreuzten sich bereits zum fünften Mal, immer durch Zufall. Wir werden uns sicherlich noch mehr sehen! Nach drei Tagen hatte unser Landy ein neues Schuhwerk und ist nun gewappnet für die Strassen im Norden. Ein Stück der chilenischen Küste entlang fuhren wir zum Paso San Francisco. Unterwegs trafen wir auf Peter und Christine (ebenfalls Freunde unserer Schiffsreise) und grillierten gemeinsam auf 2500 MüM. Es war toll, unsere Freunde wiederzusehen. Etwas einsam kamen wir uns dann vor, als wir über den Pass (4748 MüM.) fuhren. Doch weder in Chile noch in Argentinien ist man alleine. Unterwegs werden wir immer wieder von Einheimischen angesprochen und erhalten Einladungen. Ebenfalls dieser Pass ist landschaftlich wunderschön. Auf der argentinischen Seite treffen wir auf Vicunas. Diese Tiere gehören, wie die Guanakos, zu der Familie der Kamele. Sie sind jedoch deutlich kleiner und zierlicher gebaut. Zu Hunderten weiden sie in der momentan grünen Steppenlandschaft. Diese niedlichen Tiere treffen wir auf der Weiterfahrt nach Antofagasta de la Sierra immer wieder an. Antofagasta de la Sierra befinden sich im Altiplano Argentiniens. Wir beide waren begeistert von dieser Gegend. Man befindet sich dort oben in einer anderen Welt, einer Welt geprägt von Vulkanen, Salaren, Kälte und Wind. Unser Landy fuhr über Bimsstein, Vulkanasche, Sand und selbstverständlich Ripiopisten. An der Laguna Grande beobachteten wir die über 20‘000 Flamingos. Abends erlebten wir jeweils die Gewitter, für welche der Altiplanowinter (Januar/ Februar) bekannt ist. Da nicht alle Pisten aufgrund des Wetters fahrbar sind, entschlossen wir uns auf der Ruta 40 nach Salta zu fahren.

Momentan befinden wir uns 266 km vor Salta in Santa Maria. Gestern durften wir durch Zufall ein Rodeo miterleben. Auf dem Weg Richtung Norden überholten wir immer wieder traditionell gekleidete Gauchos, welche nach San Juan ritten. So entschlossen wir uns kurzerhand einen Zwischenstopp einzulegen, um ein Stück der argentinischen Kultur besser kennen zu lernen.

Mit Stolz repräsentieren die Männer und Frauen ihr Land. Die Leute im Norden sind wesentlich ärmer als die Leute des Südens. Wir waren gerührt, zu sehen wie zufrieden sie sind. „Ihr Argentinien“ feiern sie an jedem Fest und da gibt es viele. Fest des Gauchos, Fest des Pferdes, Fest des Käses… Immer wird auch das Vaterland gefeiert und die Nationalhymne gesungen. Viva la patria! Dieser Satz ist immer wieder zu hören. Dennoch sind sie gegenüber anderen Kulturen und Nationen offen. Wir wurden mit der argentinischen Wärme der Leute empfangen. Rasch einmal wusste jeder, dass sich unter den Besuchern auch zwei Schweizer befinden. In ihren Reden wurden auch wir angesprochen und als Freunde bezeichnet. Während des Fests wurden wir von mehreren Radiosendern interviewt. Sie wollten wissen, wie uns ihre Kultur gefällt und was wir in der Schweiz erzählen werden. Auf diese Frage fiel uns die Antwort leicht. Argentinien ist für uns ein Land mit wunderschöner Natur. Doch was uns noch viel mehr beeindruckt sind die Leute selbst. Ihre offene, warme, unkomplizierte und hilfsbereite Art. Wir haben uns in diesen fünf Monaten, welche wir grösstenteils in Argentinien verbracht haben, nie unsicher gefühlt. Ich denke, es herrschen in Europa viele Vorurteile gegenüber diesen Leuten. Letztendlich ist es hier nicht anders als in Ländern in Europa. Auch dort gibt es Orte, welche nicht ganz ungefährlich sind.

Je mehr wir Richtung Norden fahren, desto mehr rückt unsere Zeit in Argentinien zu Ende. Wir beide sind etwas wehmütig, das Land und seine Leute zu verlassen.

Bei Chilenen zu Hause

5. Februar 2018

Viel Sonnenschein und hohe Temperaturen erwarteten uns an der Küste. Unseren ersten Stop legten wir bei den Kohleminen von Lota ein. Ein ehemaliger Minenarbeiter führte uns durch einige der etwas mehr als 1 Meter hohen Stollen. Mit viel Elan erzählte er von der damaligen Zeit. Wir sprechen zwar mittlerweile „bastante bien espanol“, jedoch kaum „chileno“. Die Chilenen haben für vieles ihre eigenen Ausdrücke, sprechen schnell und verschlucken dabei die Hälfte der Wörter. Obwohl wir etwa „nur“ die Hälfte von seinen Erzählungen verstanden, war es eindrücklich. Die Stimmlage sowie seine Gefühle verrieten ebenfalls viel. Diese sind zum Glück universell! Stefan war nach 1,5 Stunden froh, die Gänge verlassen zu können. In einer Mine wird er wohl nie arbeiten.
Der weitere Weg führte uns an schwarzen Sandstränden, weissen Gesteinsformationen und niedlichen kleinen Fischerdörfchen vorbei bis nach Putu. In den schwarzen Sanddünen stellten wir unser Zelt auf und verbrachten eine Nacht. Wir genossen den Sonnenuntergang wie auch den Sonnenaufgang und fühlten uns in eine andere Welt versetzt. Tagsüber wurde es dann jedoch zu warm und wir folgten der Ruta K16 über Molina Richtung Siete Tazas NP. Ein Tag reichte für uns aus, um die „sieben Tassen“ – die Wasserbecken, für welche dieser Nationalpark berühmt ist, zu erkunden. Dieser kleine Abstecher empfahl und Cristobal, ein Chilene, welchen wir im Huerquehue NP kennenlernten. Er lud uns zu sich nach Hause ein. So durften wir nach dem Nationalparkbesuch ein Campo nahe von Curico besuchen. Cristobal’s Familie lebt auf einem Anwesen, auf welchem Äpfel gepflanzt und Schweine gezüchtet werden. Cristobal führte uns durch beide Betriebe. Der Obstanbau gleicht der der Schweiz. Nur muss hier viel stärker bewässert werden. Diese Gegend lebt von der Landwirtschaft, bangt gleichzeitig um jeden Tropfen Wasser. Die Schweine werden von der Besamung bis zum Schlachter auf dem Anwesen gehalten. Etwa 3000 Schweine leben auf dem Hof. Wöchentlich werden 70 bis 100 Schweine vom Grossschlachter abgeholt. Doch nicht nur das Business seiner Familie zeigte uns Cristobal. Auch seinen Lieblingsplatz an der Cordilliere durften wir bewundern. Auf dem Weg dorthin erlebten wir den chilenischen Fahrstiel hautnah. In einem irre Tempo rasten wir über die Schotterpisten und überholten andere Fahrzeuge. Ich konnte teilweise kaum zum Fenster raus schauen. Chilenen sind sich jedoch gewohnt Pisten zu fahren und oftmals kennen sie die Strecke im Schlaf. Deshalb können sie auch so schnell fahren, erklärt uns Cristobal. Ebenfalls erzählt er über die umliegenden Berge, Anwesen und möglichen Aktivitäten. Ein Campo gefällt ihm besonders. Dieses möchte er später einmal kaufen und selbst bewirtschaften. Er fügt hinzu, dass es sich hierbei um einen grossen Traum handle, dass träumen jedoch nichts kostet. Mir gefällt die Aussage und auf der Rückfahrt studiere ich über meine Träume. Mich faszinieren seine Einstellungen, Wünsche und Träume. Cristobal ist 23 Jahre alt und studiert in Santiago Agrarwissenschaften. Während den Ferien arbeitet er auf dem Anwesen seiner Familie. Am Abend werden wir zu einem Protos granados (Bohneneintopf), einem typischen, chilenischen Essen eingeladen. Im Hotpot geniessen wir anschliessend den Sternehimmel. Für uns war es sehr eindrücklich, einen Einblick in das Leben eines Farmbesitzers zu erhalten und möchten uns nochmals bei Cristobal und seiner Familie ganz herzlich bedanken.

Der Abschied fiel uns schwer, und dennoch müssen wir weiter. Wir sind etwas mehr als vier Monate nun auf südamerikanischem Festland. Wir müssen nun Richtung Norden! In Santiago legen wir einen Stop von drei Tagen ein. Auch hier sind wir eingeladen. Irene und William lernten wir im Laguna del Laja NP kennen. Wir freuten uns sie in Santiago wiederzusehen. Auf ihrem Anwesen konnten wir den Landy sicher parken, sodass wir ohne grosse Sorgen die Hauptstadt Chiles erkunden konnten. Während einer Freeguidedwalking- Tour vernahmen wir viel über die Gründung der Stadt, den Konflikt mit den Mapuchen (Indigene), die Beziehungen zu den Nachbarländern sowie über das Leben in der Grossstadt, den typischen Fastfood und die Drinks. Mir gefiel besonders die Marketingidee der Cafe con piernas (Kaffee mit Beinen). Der Kaffee in Südamerika ist so grottenschlecht, dass ihn keiner trinkt. So liess sich ein Kaffeehausbesitzer etwas einfallen. In seinem Laden wurde der Kaffee von leicht bekleideten Damen serviert. Es gab keine Sitze (war damals etwas ganz Neues) und die nette Dame diskutierte mit den Herren solange sie ihr Kaffee tranken. Dasselbe versuchten sie mit leichtbekleideten Männern. Dies funktionierte jedoch nicht. Viele solche Anekdoten bereicherten die Tour.
Santiago gefiel uns. Weitaus mehr jedoch genossen wir die Zeit bei William und Irene. Wir fühlten uns Wohl beim „Nichtstun“, beim Schwimmen im Pool und vor allem bei den vielen guten Gesprächen. Wir diskutierten über die chilenischen Politiker, das Schulsystem, Einkommen und Lebenskosten, Kinder mit einer Beeinträchtigung, übers Reisen und vieles mehr. Gemeinsam lachten wir viel, tranken Wein und sassen bis spät in die Nacht auf der Terrasse.
Rasch einmal wurde das Haus in Santiago zu einem „zu Hause“. Irene kochte typische chilenische Gerichte und wir erhielten erneut einen Einblick ins Leben der Leute hier. Für die wundervolle Zeit bedankten wir uns mit einem typisch schweizerischen Gericht. Wir bekochten Sie mit Rösti und Geschnetzeltem. Auch hier fiel uns der Abschied schwer. Gerne wären wir noch ein paar Tage geblieben. Wer reist muss jedoch weiter! Auch bei Irene und William bedanken wir uns herzlich für die tolle Zeit!

Über den Paso Upsallata fuhren wir weiter nach Argentinien. Auf dieser Seite der Anden befindet sich der höchste Berg ausserhalb des Himalayas. Mit seinen 6962 Meter über Meer thront er über die umliegenden Andengipfel. Die Hängegletscher sind teilweise bis zu 300 Meter dick. Sein Anblick ist faszinierend. Eine Besteigung verschieben wir jedoch auf ein andermal…

Einen kleinen Abstecher unternahmen wir am nächsten Tag von Uspallata aus ins Valle des Cerro Siete Colores. Eine farbige Fels-/ Sandlandschaft erwartete uns. Die Landschaft hier ist allgemein wunderschön. Alle paar Meter könnte man anhalten, um ein Foto zu schiessen. Auch unseren kleinen Abstecher zum Cerro Alcazar bereuten wir nicht. Hier fanden wir uns staunend in einer wunderschönen Gesteinslandschaft wieder.
Heute Morgen versuchten wir den Paso Agua Negra zu überqueren. Leider ist er momentan aufgrund von Erdrutschen gesperrt. Wir werden es morgen nochmals versuchen. Die Wetterprognosen stehen jedoch schlecht. Wer weiss, vielleicht sind wir gezwungen, zwei drei weitere Tage um Las Flores zu verbringen. Die umliegenden Pässe sind ebenfalls geschlossen. Die letzten Tage stürmte es in den Bergen. Wir leben ein Jahr mehr oder weniger in der Natur. Naturphänomene und Katastrophen sind ebenfalls Teil unserer Reise! Morgen um 6.00 Uhr werden wir jedenfalls erneut vor der Aduana stehen…

 

Unterwegs im Lande der Vulkane

23. Januar 2018

Die Sonne liess in Argentinien nicht lange auf sich warten. Wir verbrachtet einen Tag in Esquel wo wir erst einmal unser ganzes Equipment trocknen liessen und endlich wieder einmal unsere Wäsche waschen konnten. Von Esquel ging es über El Bolson nach Bariloche, genauer gesagt nach Colonia Suiza. Diese Gegend wird in Südamerika oftmals mit der Schweiz verglichen. Die Landschaft, welche von Bergen und Seen geprägt ist, erkundigten wir zu Fuss und mit dem Fahrrad. Auf Mountanbikes fuhren wir durch den Llao Llao Nationalpark und zu Fuss gings auf den Cerro Goya im Nahuel Huapi Nationalpark. Wobei letztendlich sind wir nicht sicher, ob wir wirklich auf diesem Gipfel standen. Der Wanderweg war unglaublich schlecht angeschrieben. Auf dem Rückweg verliefen wir uns zwei Mal und hatten mit Mücken und Bambusdickicht zu kämpfen. Unser Aufsteller der Wanderung war eine Strassenhündin, welche uns auf dem ganzen Weg treu begleitete. Zurück auf dem Camping wollte sie uns kaum mehr verlassen. Am liebsten hätten wir sie mitgenommen, doch das hätte unsere Reise enorm erschwert und Platz haben wir im Auto ja auch kaum mehr.

Auf dem Camping von Colonia Suiza feierten wir gemeinsam mit Einheimischen und anderen Overlander Silvester. Gleich zu Beginn des Neuen Jahres führte uns unser Landy über die Ruta 40 , 65 und 63 nach San Martin de los Andes. Die Pisten führten durch das Gebiet der Seen, an welchen wir immer wieder mal ein Pic – Nic einnahmen oder übernachteten. Wir verbrachten nicht viel Zeit in dieser Gegend, glich sie doch tatsächlich der Schweiz. Uns zog es in die etwas nördlicher liegenden Nationalparks der Vulkane. Im etwas nördlich von San Martin de los Andes liegenden Nationalpark Lanin verbrachten wir eine ganze Woche mit wandern. Immer wieder staunten wir über die Naturgewalten. Durch eine Bilderbuchlandschaft bestiegen wir den Vulkan Achen Niyen, von wo aus wir die Sicht auf den Vulkan Lanin genossen, spazierten dem kalten Lavastrom entlang, schwammen in den Lagunen und angelten im Lago Huechulafquén. Letzteres war toll. Auf dem Freecamping Hueney lernten wir ein argentinisches Pärchen kennen, welche mit uns über die Politik Argentiniens und auch über die Vielfalt der Fische diskutierten. Da wir über keine Idee von Angeln und den einheimischen Fischen verfügten, luden sie uns kurzerhand zum Angeln ein und lehnten uns ihr ganzes Equipment. Dies war nicht die einzige solche Begegnung. Wir schätzen die Argentinier mit ihrer freundlichen und offenen Art unglaublich und bedauerten es bereits, wieder die Grenze nach Chile passieren zu müssen. Letztendlich soll unsere Reise ja weitergehen und so überquerten wir ohne grosse Probleme die Grenzstation Mamul Malal. Im naheliegenden Nationalpark Huerquehue (fragt uns ja nicht wie man dies ausspricht, wir können es bis jetzt noch nicht!) streiften wir durch die Araukarienwälder zu verschiedenen Lagunen und bestiegen den Cerro San Sebastian, von welchem aus wir die Sicht auch neun Vulkane genossen (Lanin, Quetrupillán, Choshuenco, Villarica, Llaima, Lonquimay, Tolhuaca, Sollipulli, Callaqui). Einige davon besuchten wir auf unserer Weiterfahrt, andere werden wir noch erkunden. Über Villarica, einem sehr schönen, authentischen Chilenenstädtchen reisten wir in den Conguillio Nationalpark. Bereits bei der Einfahrt genossen wir den wunderschönen Anblick des Llaima Vulkans. Aufgrund der Nationalparkregelung sind wir gezwungen die Nächte auch einem der völlig überteuerten Campings zu verbringen (der günstigste kostet 30, der teuerste über 100 Franken!). Deshalb beschliessen wir uns, das Gebiet in möglichst wenigen Tagen zu erkunden. Dies führte dazu, dass wir eine Wanderung nach der nächsten unternahmen und anschliessend über Muskelkater klagten. Etwas gemütlicher konnten wir es Nalcas – Malalcahuello Nationalpark angehen. Die etwa einstündige Wanderung führte uns auf den Krater Navidad des Vulkans Lonquimay. Die Sicht die uns bot, war einfach nur überwältigend. Beide staunten wir nur noch. Vor uns lag ein Tal, welches durch einen Lavafluss gekennzeichnet ist. Auf den umliegenden grünen Hügeln wachsen die Araukarien und dahinter ragen mächtige, schneebedeckte Vulkane. Eine Strasse führt den, aus Vulkangestein gebildeten, Hängen entlang. Dieser folgten wir und waren erstaunt, nicht mehr Touristen anzutreffen. Bald einmal wussten wir weshalb diese beim Aussichtspukt alle wendeten. Die Strasse ist schmal (am Eingang des Parks steht ein Hinweisschild, dass die Strassen nicht für LKWs ausgelegt sind) und führt über hundert Kilometer in die Pampa. Sie ist jedoch unglaublich schön! Unterwegs übernachteten wir am Stausee Ralco und folgten am nächsten Tag dem Rio Biobio entlang nach Lonquimay und zurück nach Curacautin. An Araukarienwälder und wilden Flüssen, den Nationalparks Tolhuaca und Malleco entlang gelangten wir letztendlich nach Los Angeles, wo wir wieder einmal auf Internet stiessen!

Nun verlassen wir das Land der Vulkane und fahren an die Küste. Auf uns warten Kohleminen, Sanddünen, Strand und guten Fisch!

 

Carretera Langitudinal Austral Presidente Pinochet – kurz: Carretera Austral

29. Dezember 2017

Es brauchte einige Tage bis wir uns wieder an den Reiserhythmus gewöhnt hatten. Wir reisten erneut nach Chile. Dieser Wechsel erleichterte uns das Weiterreisen. Nach der Antarktis brauchten wir etwas komplett anderes. Die Gletscher hier auf dem südamerikanischen Festland kamen uns plötzlich so winzig vor. Wie eine Legende aus dem Volksmund beschreibt, hat Chile auch so einiges zu bieten!

 

                „ Als Gott seine in sieben Tage erschaffene Welt betrachtete,

 stellte er fest, dass noch einiges übrig geblieben war: Vulkane,

 Urwälder, Wüsten, Fjorde, Flüsse und Eis. Er gab den Engeln

 den Auftrag, alles hinter einem langen Gebirge aufzuschütten.

 Das Gebirge waren die Anden – und so entstand Chile, das

 vielfältigste Land der Erde.“

 

Die erste Woche wanderten wir durch den Torres del Paine NP. Mit der Fähre ging es anschliessend von Puerto Natales nach Puerto Yungay, ans Ende der Carretera Austral. Die Landschaft änderte sich je weiter wir durch die Fjorde Richtung Norden fuhren. In Puerto Yungay erwartete uns ein kalter Regenwald. Die Ruta 7 schlängelt sich während 1200km durch dichtes Grün, an tief blauen Seen, scharf eingeschnittenen Fjorden und schneebedeckten Gipfeln vorbei. Pinochet liess sie 1970 bauen, um eine Nord- Süd Strassenverbindung zu schaffen, welche paralell zur Grenze zu Argentinien verläuft.

Durch das Chacabuco – Tal, in welchem wir Andenkondore und ihre Jungen bei ihren Flugkünsten beobachten konnten, fuhren wir die Ruta 41 in Argentinien (unserer Meinung nach eine der landschaftlich schönsten Strassen, die wir bis jetzt gefahren sind) hoch nach Chile Chico. Der Strasse des Lago General Carrera folgend erreichten wir letztendlich Puerto Rio Tranquilo wieder die Carretera Austral. Von nun an folgten wir durch kalten Regenwald der Strasse bis Villa Santa Lucia. Unterwegs besuchten wir die Marmol Kathedralen, das Valle Exploradores, las Cuevas des manos in Cerro Castillo, unternahmen in Puerto Raul Marin Balmaceda eine Bootstour sowie eine Wanderung durch den kalten Regenwald und hatten dabei stets mit dem Regen zu kämpfen. Unterwegs campierten wir auf Campingplätzen. Diese baten uns Schutz vor den immer noch blasenden Patagonienwinde und gaben uns einen spannenden Einblick ins Leben der Chilenen. Oftmals befinden diese Plätze sich im Garten des Familienanwesens. Auf einigen der Plätze steht ein einfaches WC/ Duschgebäude. Auf anderen benutzt man die Einrichtungen des Hauses. Man kocht, wäscht in ihrer Küche und um das Bad zu benützen, läuft man auch schon mal durchs ganze Haus. Dabei kommen immer freundliche Gespräche zu Stande und man wird zu einem Mate eingeladen. So langsam beginnen wir das bittere Getränk Patagoniens zu mögen!

Sehr eindrücklich erlebten wir auf dieser Strecke die Natur- und Wetterbedingungen mit welchen die Einheimischen zu leben wissen. Ab Puerto Rio Tranquillo regnete es fast konstant. Unterwegs nach Norden vernahmen wir, dass in Villa Santa Lucia eine Schlammlawine einen Teil der Carretera zerstört hat und diese deshalb nicht befahrbar sei. Nicht nur die Strasse, sondern auch das halbe Dorf wurde zerstört. In Reisebüros sowie bei anderen Reisenden erkundigten wir uns immer wieder nach den Möglichkeiten. So vernahmen wir, dass in Puerto Raul Marin Balmaceda eine Fähre eingerichtet wurde, welche täglich nach Chaiten fährt und so eine Weiterfahrt auf der Carretera ermöglicht. Das ist doch eine gute Alternative! Als wir in Puerto Raul Marin Balmaceda ankamen, konnten wir die Fähre für den nächsten Tag buchen. Diese fuhr dann leider aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse die nächsten drei Tage nicht. Wann sie sicherlich fahren können, wusste keiner. Da all unsere Sachen nass waren und wir ein wenig genug von den regnerischen Tagen hatten, wollten wir die Zeit bis die Fähre fährt nicht an diesem Ort (im Regen) aussitzen. Kurzerhand annullierten wir die Fähre wieder und fuhren Richtung Villa Santa Lucia, um doch den mittlerweile eingerichteten Beipass zu nehmen. Diese Umfahrungsstrasse führte uns direkt am Katastrophengebiet vorbei. Es stimmte uns unglaublich traurig. Den Berg hinunter führt eine grosse, braune Schneise, die das halbe Dorf bedeckt. Ein Polizist erklärt uns die Umfahrung. Traurige Gesichter blicken uns entgegen. Auf dieser kurzen Strecke sprach keiner von uns. Mir liefen die Tränen runter. Ich wünschte, wir hätten die Fähre nehmen können.

Auf dem von uns befahrenen Stück dieser berühmten Strasse erlebten wir eindrücklich mit welchen Wetterbedingungen und Naturkatastrophen die Einheimischen umzugehen haben. In unserem Fahrzeug haben wir die Chance, diesen zu entkommen. All die Umstände führten dazu, dass wir die Carretera Austral und somit Chile verliessen. Über Futaleufu reisten wir nach Argentinien ein. Ihr dürft raten, welche Wetterverhältnisse wir hier antrafen…

Richtig! Regen… Aber ab morgen wird die Sonne scheinen!

 

El fin del mundo!

20. November 2017

Die letzten paar hundert Kilometer bis ans Ende der Welt fuhren sich leicht. Auf bester Teerstrasse ging es Richtung Süden. Kurz nach Rio Grande besuchten wir die Estancia Bethey, auf welcher im Januar jeweils die grösste Schafschur der Welt stattfindet. Leider werden wir an diesem Fest nicht teilnehmen können. Bis zu diesem Zeitpunkt werden wir uns nicht in Tierra del Fuego aufhalten. Es gibt noch so viel Spannendes zu sehen!

Ushuaia überraschte uns einmal mit seiner Grösse. Hier leben 57‘000 Menschen. Kaum vorstellbar, wenn man sich hier das Klima und das Wetter genauer betrachtet. Oft ist es kalt und fast täglich fällt in irgendeiner Form Niederschlag. Im Hochsommer (Januar/ Februar) sei es ein wenig wärmer, aber nicht unbedingt schöner. Aus diesem Grund quartieren wir uns wieder einmal in ein Hostel ein. Im Torre del Sur finden wir ein Zimmer zu einem für Ushuaia günstigen Preis. Es ist unglaublich wie teuer hier alles ist. Da fragt man sich schnell, wie sich die lokalen Leute dies leisten können. In einem Gespräch mit der Tochter der Hostelbesitzerin wird uns klar, dass wir uns hier in der „Schweiz“ von Argentinien befinden. Die Leute verdienen in dieser Stadt zehn Mal mehr als die Argentinier im Norden. Damit sich die Leute hier ansiedeln wurden steuerliche Vorteile geschaffen und die Bevölkerung muss kaum etwas abgeben. Nun ist uns klar, weshalb hier so viele Leute leben.

In und um Ushuaia gibt es einiges zu sehen. Bei einer kleinen Wanderung zum Aussichtspunkt des Glacier Martinal genossen wir im Schnee einen tollen Blick über die Stadt. Wir schlenderten durch die Avenida San Martin, tranken im Ramos Generales eine heisse Schokolade und assen französische Patisserie, beobachteten die Schiffe im Hafen und verbrachten drei Tage im Nationalpark Tierra del Fuego. Während der Zeit, als wir im Park campierten, hatten wir richtiges Wetterglück. Bei strahlendem Sonnenschein liefen wir auf den Cerro Guanaco und durften einen unglaublichen Blick auf die Darwin Cordillera geniessen. Der Weg war nicht ganz ohne Weiteres zu meistern. Eine Passage führte über eine Mooslandschaft, welche sich durch die Schneeschmelze zu einer Moor-/ Sumpflandschaft entwickelte. Wir versuchten von der einen trockenen Stelle zur Nächsten zu hüpfen. Letztendlich hatten wir dennoch nasse Füsse! Egal, für die Aussicht hat es sich gelohnt. Zurück in der Stadt feierten wir meinen Geburtstag. Gemeinsam mit Peter, Christine, Daniel und Veronique wurde bei einer heissen Schokolade angestossen. Abends wurde ich von den Hostelbesitzern mit einem Kuchen überrascht. Leider schlug in diesen Tagen das Wetter um. Schnee und Regen wechselten sich ab. Jetzt hätte ich endlich mal die Chance gehabt meinen Geburtstag im Sommer zu feiern. Jedoch herrschten Nulltemperaturen und es schneite! Ein verrückter Fleck Erde!

Auf einem erneuten Stadtbummel erblickten wir in der Vitrine der Rumbo Sur Agentur eine Anzeige, die unsere Aufmerksamkeit weckte. Wir mussten feststellen, dass wir nicht am südlichsten Punkt angekommen sind. Die Reise geht weiter, in die grösste Wüste der Welt, an den kältesten (Kälterekord -89,2 °C), windigsten (bis zu 320 km/h) und den trockensten Ort der Erde, an welchem sich jedoch 90% des Süsswassers befindet. Dieser Ort ist zirka 1,3 Mal so gross wie Europa. Es gibt weder eine Zeitzone noch Reptilien, dafür die südlichst liegenden, aktiven Vulkane, den grössten Eisberg der Welt (grösser als Jamaica), ewiges Eis und nur einen ATM! Ja es geht auf den fünftgrössten Kontinent der Erde! Nach Antarktika…

 

Wir betreten Chile!

10. November 2017

Unsere Reise geht weiter durch die Highlights von Südamerikas Süden. Nur wenige hundert Kilometer von el Chalten entfernt liegt el Calafate mit dem Porito Moreno Gletscher. Klar, dass dieses Örtchen ganz auf den Tourismus ausgelegt ist. Wir verbrachten unsere erste Nach ca. 50 km von el Calafate entfehrnt auf dem Camping libre el Huala am Lago Roca. Bei Windstille (!) konnten wir unser Dachzelt aufstellen und den Hasen, welche ums Fahrzeug sprangen zuschauen. Wir nutzten am nächsten Tag diese Ausgangslage um den Cerro Cristal zu besteigen. Steil und kontinuierlich ging es über 1000 Höhenmeter hoch. Die Anstrengung lohnte sich. Bei tollem Wetter konnten wir eine 360° Rundumsicht geniessen. Zu sehen war der Porito Moreno sowie die Türme des Torres del Paine.

Nach der Wanderung machten wir uns auf den Wag ins Dorf. Die nächsten beiden Nächte verbrachten wir in einem Hostel. Den Porito Moreno wollten wir früh morgens, noch bevor die Touristenbusse ankommen, besuchen. Nach einer Nacht im Hostel müssen wir nicht warten bis der Tau auf unserem Dachzelt getrocknet ist. Wir genossen die Stimmung am Gletscher früh morgens. Fasziniert hörten wir wie der Gletscher arbeitet und bestaunten die spektakulären Eisabbrüche, welche in den Lago Argentino fielen. Um ca. 12.00 Uhr fanden sich immer wie mehr Touristen ein. Im Lärm der Gespräche und teilweise in der lauten Musik, welche die Argentinier mit sich tragen, gingen die Geräusche des Gletschers etwas unter. So verliessen wir den Nationalpark um 17.00 Uhr.

Als wir zurück im Hostel waren, bemerkten wir, dass unsere Sportsachen, welche wir vom Vortag zum Trocknen aufgehängt hatten, geklaut wurden. Als wir dann feststellten, dass ebenfalls unsere Tasche durchwühlt und weitere Dinge entwendet wurden, entschlossen wir uns, bei der Polizei eine Anzeige zu machen. Das war ein Erlebnis! Die Polizei nahm den Fall ziemlich ernst. Insgesamt verbrachten wir 4 Stunden auf dem Kommissariat. Das Personal des Hostels wurde befragt, die Spurensicherung machte Fotos des Zimmers und zivile Zeugen wurden aufgeboten. Wir durften mit und fuhren so mit Blaulicht im Polizeiauto durch das Dorf. Es wurde kein Aufwand gescheut. Wenn wir das gewusst hätten… So ärgerlich die Sache auch ist, letztendlich konnten wir darüber lachen. Wir hätten diesen unglaublich amüsanten Abend verpasst!

Von Calafate ging es am nächsten Morgen über die Grenze nach Chile. Der Grenzübergang in Rio Turbio verlief problemlos. Innerhalb von kurzer Zeit standen wir auf chilenischem Boden. In Puerto Natales suchten wir uns eine Unterkunft. Der patagonische Wind zeigte sich wieder einmal von seiner besten Seite. Als wir anschliessend durchs Städtchen schlenderten, entdeckte Stef einen Unimog. Und bereits winkten uns die Insassen zu. Daniel und Veronique, die beiden Franzosen unserer Schiffsreise, kreuzten wieder einmal unseren Weg. Bei der Ampel verabredeten wir uns für ein Kaffee am folgenden Tag. Wir genossen den Austausch und wurden am Abend in den Unimog eingeladen. Gemeinsam feierten wir Daniels Geburtstag. Es war ein toller Abend.

Da für die kommenden Tage Regen angekündigt war, entschlossen wir, den Torres del Paine Nationalpark erst auf dem Weg wieder nach Norden zu besuchen. Wir möchten gerne wandern und ca. eine Woche in diesem angeblich wunderschönen Park verbringen. Somit hoffen wir auf besseres Wetter, beim nächsten Mal, wenn wir in Puerto Natales sein werden.

Wir folgten der Ruta 9 über Punta Arenas bis ans „Ende des Weges“. Diese ist der südlichste befahrbare Punkt des amerikanischen Festlandes. Über den Strand liefen wir zum südlichsten Leuchtturm dem Faro Isidor. Nach anschliessenden zwei Tagen in der angeblich schönsten Stadt von Patagonien entschlossen wir uns die Fähre nach Porvenir (Zukunft) zu nehmen. Die Überfahrt gestaltete sich kurzweilig, da wir Chris aus Kalifornien kennen lernten. Unsere Wege kreuzten sich anschliessend mehrmals auf Tierra del Fuego. Die Landschaft durch den chilenischen Teil der Insel ist uns bekannt. Steppe, Zäune, Schafe! Nahe Onaisin beobachteten wir die Königspinguine beim Füttern ihrer etwas überdimensional gross scheinenden Küken. Diese beginnen sich zu mausern und sehen teilweise etwas struppig aus. Solange sie das Federkleid noch nicht gewechselt haben, werden sie von ihren Eltern gefüttert. Aufdringlich laufen die „kleinen Grossen“ ihren Eltern hinterher. Leider fuhren wir auf der Strecke zu den Pinguinen eine Schraube ein und so mussten wir, als wir zum Landy zurück kamen, erst einmal einen Reifen flicken.

Wenige Zeit später passierten wir die Grenze nach Argentinien. Zuvor erkundigten wir uns, ob wir Frischware und Fleisch mitnehmen dürfen. Dies sei angeblich kein Problem, gab uns der Chilene zu Antwort. Eigentlich hätten wir es besser wissen sollen! Klar stand die Tafel, was alles nicht eingeführt werden darf gut ersichtlich vor der Grenzpassage. So kochten wir auf dem Niemandsland unser Fleisch und Gemüse und assen vor dem passieren unser Abendessen. Die Leute müssen uns wohl beobachtet haben, denn keiner kontrollierte uns anschliessend auf Lebensmittel. So konnten wir die Zwiebeln, welche sich in unserem Kühlschrank befanden problemlos einführen.

Nun fehlen uns noch 220 Kilometer bis nach Ushuaia. Bald sind wir am Ende der Welt angekommen!

 

Es wird kälter!

29. Oktober 2017

Draussen ist es bewölkt und in wenigen Stunden wird es regnen. Wir sind momentan am Fitz Roy Massiv angekommen. Von Puerto Madryn folgten wir der Ostküste entlag bis nach Puerto San Julian. Auf dem Weg hatten wir zwei treue Begleiter. Zum einen den Zaun auf beiden Seiten der Strasse, zum anderen den patagonische Wind. Diesem möchte ich hier kurz ein paar Worte widmen. In Patagonien gibt es das Wort windstill nicht. Bläst eine Brise, freuen sich die Leute, dass kein Wind blase! Der patagonische Wind entsteht aufgrund der kalten Meeresströmung im Osten und dem Andenmassiv im Westen. Durch diese beiden Naturvorkommnisse weht eine ständige Windströmung, die unserer Meinung nach überwiegend stark ist. Wir erlebten mehrere Tage mit Windstärken um die 80 km/h. Dies machte das Campieren mit dem Dachzelt zunehmend schwierig. Immer mehr wichen wir auf unser Bodenzelt oder auf günstige Hostelzimmer und Cabanias aus. Dadurch lernten wir Argentinier kennen. Facu, ein Koch, welcher selbst per Autostopp reist, brachte uns die Kunst des Assados bei. Gemeinsam verbrachten wir eine Woche auf dem Camping in Puerto Deseado, erkundeten die Gegend, pflanzten auf dem Camping Bäume und veranstalteten mehrere Barbecues. Ebenfalls in Puerto Deseado lernten wir in einem Laden einen Landkartenzeichner kennen. Dieser erklärte uns gemeinsam mit dem Ladenbesitzer über zwei Stunden lang die Geschichte Patagoniens. War ein kurzweiliger Nachmittag, an welchem wir wieder viel Spanisch lernten.

Von Puerto Deseado folgten wir der Küste weitere 300 km entlang durch die Halbwüste. Unterwegs sahen wir Gürteltiere, Flamingos, Seelöwen, Guanakos, Maras, Füchse und Choiquefamilien. Diese straussenähnliche Vögel, wie auch die Maras waren leider schwierig vor die Kamera zu kriegen. Auf dieser Strecke besuchten wir die Bosques Petrificados, versteinerte Wälder. Diese faszinierten uns unglaublich. Kaum zu glauben, dass die Bäume, die da liegen tatsächlich aus Gestein sind. Wäre da nicht wieder der Wind gewesen, hätten wir wohl den ganzen Tag hier verbringen können! So entschieden wir uns weiterzufahren.

Erst sollte unsere Reise der Küste entlang weitergehen. Leider gibt es in dieser Gegend Patagoniens kaum Aktivitäten, welche aktiv gemacht werden können. Die Strassen, welche es gibt, sind für Autos. Vergeblich sucht man nach Wanderwegen. Deshalb entschieden wir uns, die Küste zu verlassen und das Land zu durchqueren. Die Halbwüste begleitete uns bis kurz vor el Chalten. Ein wunderbares Bergpanorama eröffnete sich uns. Etwa 50 Kilometer vor el Chalten wurden wir von einem Argentinier angehalten. Sein Wagen ist liegengeblieben und so halfen wir mit unserer guten Ausrüstung doch gerne. Wir schleppten ihn ein Stück weit ab, bis sein Motor wieder startete.

In el Chalten bezogen wir für eine Woche ein Zimmer in der Jugendherberge. Dies kostete nur wenig mehr als Campingmöglichkeiten, weshalb wir uns diesen Luxus gönnten. In den folgenden Tagen erkundeten wir die Gegend des Fitz Roys und unternahmen zahlreiche Wanderungen. Wir liefen zur Laguna Torres, zur Laguna des los tres, zur Laguna del diabolo, zum Gletscher Huemul und zu diversen Aussichtspunkten. Wir hatten grosses Wetterglück. Bei vorwiegendem Sonnenschein und wenig Wind konnten wir die wunderbare Aussicht auf dieses Massiv geniessen. Es ist eine Gegend, die uns beiden sehr gut gefällt. Nun verlassen wir diese. In den nächsten Tagen wird es zum Porito Moreno und anschliessend nach Chile in den Nationalpark Torres del Paine gehen!

 

Südwärts

9. Oktober 2017

Wie sich herausstellte brauchten wir einen Mechaniker. Unser Landy meldete sich auf den letzten Metern nach Buenos Aires mit einem merkwürdigen Geräusch. Stef betrachtete das Ganze genauer. Die Stabilisatoren der Hinterachse waren nicht mehr in Ordnung. Es wäre noch möglich weiter zu fahren, da sie aber irgendwann sowieso gewechselt werden müssten, entschlossen wir uns, dies nun hier zu tun. Christian vermittelte uns gleich an einen Land Rover Spezialisten. So liessen wir unser Gefährt drei Tage bei ihm stehen und nahmen uns ein Hostel in Buenos Aires. Buenos Aires ist eine moderne, kulturell sehr vielfältige Stadt. Drei Tage sind eigentlich zu wenig, um alles zu erkunden. Wir machten eine Tour durch die verschiedenen Quartiere und schlenderten durch die Einkaufsgassen. Dabei machten wir folgende Erfahrungen:

  1. Der Bus hat immer Vortritt. Diese fahren wie die Verrückten und als normaler Autofahrer oder Fussgänger sollte man sich in Acht nehmen.
  2. Es ist auch möglich auf der Autobahn auszusteigen. Als wir in die Stadt fuhren, herrschte so viel Verkehr, dass der Buschauffeur die Bassagiere am Rande der Autobahn aussteigen liess und nicht an der untenstehenden Station. Dazu muss man sagen, dass Christoph etwa 1 Stunde von Buenos Aires entfernt ist. Wir nahmen den Schnellbus, welcher in die Stadt auf der Autobahn fährt.
  3. Die Einheimischen wissen jeweils selbst nicht, welcher Bus wohin fährt. Es gibt unglaublich viele Busse in der Stadt. Einen Überblick zu haben ist schwierig. Glücklicherweise halfen uns jeweils die Einheimischen und die Buschauffeure freundlich, ans Ziel zu kommen. Sofern sie selbst wussten, welches der richtige Bus ist…
  4. Cambio ist noch möglich! Überall in den Strassen wollen die Leute Pesos in Dollars oder Euro tauschen. Selbst der Blumenhändler hat uns angehauen! Die Inflation des Landes ist so hoch und unglaublich instabil ist die Landeswährung. Auch unser Bargeld kann morgen weniger Wert haben…
  5. Besucht man Museen, deren Kassen bereits geschlossen sind, darf gratis eingetreten werden. Wir hatten so eine einstündige Führung gratis!
  6. Reinbenzin heisst Solvente und kann in der Ferreteria gekauft werden. Für unseren Kocher suchten wir in jedem Campingladen Brennstoff. Zuerst suchten wir nach alcohol azul, dann nach gasolina blanca bis uns jemand den richtigen Begriff sagen konnte: Solvente. Stef liess die Leute jeweils an unserem noch vorhandenen Reinbenzin riechen. Diesen konnten wir nach langem Suchen in der Ferreteria kaufen. Durch all die Gespräche werden unsere Spanischkenntnisse immer wie besser!

Es ist schwierig all die Eindrücke und Begegnungen zu beschreiben! Es ist eine faszinierende Stadt und wir empfehlen einen Besuch dieser.
 

Nach der Grossstadt genossen wir die Ruhe auf dem Lande. Nun geht’s in den Süden an die Kälte! Unseren ersten Stopp legten wir in El Condor ein. Am Strand befindet sich eine der grössten Felsenpapageienkolonien der Welt. Über 3500 Vögel nisten in den Löchern des Sandgesteins. Es herrscht ein unglaublicher Lärm! Stundenlang hätten wir den Papageien zuschauen können, wenn da nicht der Wind wäre! Mit dem berüchtigten Wind Patagoniens machten wir bereits in unserer ersten Nacht in diesem Teil Argentiniens Bekanntschaft. Wir verbrachten die Nacht auf dem Camping und mussten um Mitternacht unser Dachzelt zusammenklappen. Die Windböen waren so stark, dass uns das Risiko eines kaputten Zeltes zu gross war. Wir richteten uns bereits im Auto auf eine Nacht ein, da kam der Campingbesitzer angelaufen. Er hat uns beobachtet und suchte uns einen windstilleren Platz. Ausserhalb des Campingareals öffneten wir das Zelt wieder. Schlafen konnten wir beide dennoch nicht. Von nun an werden wir wohl im Zelt am Boden, im Windschatten des Fahrzeuges übernachten müssen!

 Von El Condor ging es weiter auf die Pelinsula Valdez. Hier konnten wir Seelöwen, Seeelefanten, Guanakos, Pinguine und Wale beobachten. Letztere schwimmen in den Buchten nur wenige Meter vor den Felsen vorbei. So verbrachten wir sechs Tage mit Tierbeobachtung. Auf der Insel lernten wir tolle Leute kennen, mit welchen wir jeweils gemütliche Abende verbrachten. Ebenfalls trafen wir die beiden Franzosen, welche mit uns auf der Grande America waren, an. Morgens, wenn es jeweils kalt war, luden sie uns in ihren Unimog zum Kaffee ein. Alle Reisenden sowie die Einheimischen sind sehr offen. Rasch kommt man in ein abwechslungsreiches, spannendes Gespräch. Wir erhalten immer wieder Tipps, was wir uns auch noch unbedingt anschauen sollten.

 Bevor wir nun weiter nach Süden fuhren, decken wir uns in Puerto Madryn mit Lebensmittel ein und lassen unsere Wäsche waschen. In ein paar Tagen geht es zum Strand Isla Escondida, um aus nächster Nähe nochmals Seeelefanten zu beobachten. Wir dürfen nur nicht zu schnell vorwärts gehen, bei den spektakulären Naturparks in den Anden herrschen momentan noch Minustemperaturen.