Eine andere Welt!

5. Dezember 2017

Seit heute Morgen haben wir wieder festen Boden unter den Füssen. In Gedanken befinden wir uns jedoch weit draussen auf dem Meer, in einer Welt, die von Kälte, Gletscher, Berglandschaften und einer unglaublichen Stille geprägt ist. Zurück in Ushuaia erlebten wir einen Kulturschock!

Die Erlebnisse und Eindrücke der letzten Tage zu beschreiben ist fast unmöglich. Der siebte Kontinent kann kaum in Bildern oder Worten festgehalten werden. Er muss selbst erlebt werden! Dennoch will ich versuchen einige unserer Eindrücke mit euch zu teilen.

Am 25. November stachen wir mit der Sea Spirit nach einer wundervollen Nacht im Luxushotel in See. Vor uns lag die berühmt berüchtigte Drakepassge, welche ihrem Ruf gerecht wurde. Nach der Fahrt durch den Beaglekanal erwarteten uns die durchschnittlich 5 bis 6 Meter hohen Wellen. Einige davon waren sicherlich grösser und unser kleines Schiff wurde ganz schön hin und her geschaukelt. Unsere Körper zeigten deutlich, was sie von dieser Reise hielten. Den ersten Tag lagen wir flach im Bett und versuchten nicht Seekrank zu werden. Dank den Pillen gelang dies uns auch mehr oder weniger. Am zweiten Tag waren die Wellen etwas weniger schlimm, sodass wir uns auch wieder in den Esssaal wagten. Die Verpflegung war super lecker und ich bin mir sicher, dass wir auch nach dieser Schiffsreise wenige Kilo mehr auf den Rippen haben. Diese werden wir beim Reisen schnell wieder verlieren!

Abends am 26. November erreichten wir die South Shetland Islands und liefen in der Bucht von King George Island ein. Wir waren überglücklich, eine ruhige Nacht verbringen zu können. Am folgenden Morgen besuchten wir die Great Wall Station, eine chinesische Forschungsstation. Eselspinguine liefen umher. Obwohl wir uns auf einem der kleineren Expeditionsschiffe befanden, waren dennoch 100 Leute an Board. Um dieser grossen Reisegruppe etwas entfliehen zu können, entschlossen wir uns Kajaken zu gehen. So paddelten wir an diesem Morgen ebenfalls der Bucht entlang. Nachmittags fuhr die Sea Spirit etwas weiter südlich zur Half Moon Island. Während der grösste Teil der Reisegruppe die Insel besuchte, versuchten wir mit dem Kajak die Insel zu umrunden. Leider war die See etwas zu rau, sodass wir nur die eine Hälfte bestreiten konnten. Es ist ein unglaubliches Gefühl, im Wasser der schneebedeckten Küste entlang zu paddeln. Die neugierigen Kehlstreifenpinguine schwammen um die Kajaks, der Wind blies ums Gesicht und bereits nach einer kurzen Strecke lag die restliche Gruppe hinter uns und wir konnten die unendliche Ruhe der Antarktis geniessen. Zwischen den Eisbergen ging es zurück zum Schiff. Wir befanden uns so dicht am Eis, dass wir das brechende Eis hören konnten.

Am folgenden Tag war die See leider zu unruhig und der Wind blies mit 5 bis 6 Beaufort zu stark, um zu Kajaken. Die Sea Spirit fuhr während der Nacht in die Bucht der Cierva Cove. Während einer abenteuerlichen Fahrt (unser Zodiac musste einige grosse Wellen meistern) fuhren wir um die grossen Eisberge und beobachteten die Eselspinguine beim Hoch- und Hinunterlaufen der Felsen. Ebenfalls setzten wir an diesem Tag zum ersten Mal unsere Füsse auf das Festland. Endlich waren wir auf dem siebten Kontinent angekommen. Am Portal Point genossen wir die Aussicht auf die Bucht und beobachteten, wie immer, die Pinguine. Diese entwickelten sich während dieser Reise zu unseren Lieblingstieren der Antarktis. Stundenlang konnten wir diesen neugierigen Tieren zuschauen. Abends fuhr unser Kapitän das Schiff durch die Wilhelmina Bay. Da es in letzter Zeit noch ziemlich kalt gewesen sein musste, schwamm noch viel Packeis durch das glasklare Wasser.

Am 30. November bewanderten wir die Useful Island. Unterwegs trafen wir auf einige Robben und selbstverständlich auch auf Eselspinguine. Nachmittags wollten wir in Neko Harbour, bei einer wunderschönen Gletscherlandschaft kajaken. Leider nahm der Wind im Verlaufe der Vorbereitungen so stark zu, dass wir unsere Kajaks nur spazieren führen konnten und uns anstelle dieser im paddeln des Zodiacs versuchten. Nach einer spassigen Aktion spazierten wir in Neko auf einen Aussichtspunkt, genossen die Sicht auf den Gletscher und beobachteten die Eselspinguine, wie sie sich gegenseitig die Steine ihrer Nester klauten. Die Nacht verbrachten wir in Paradise Bay bei Leith Cove. Am folgenden Tag war die See spiegelglatt und so paddelten wir nahe der Almirante Brown Station, der Küste entlang durch die Bucht. Die neugierigen Kormorane und Eselspinguine begleiteten uns. Wir bestaunten die Gletscherlandschaft, die Eisberge, das schwimmende Packeis und waren sprachlos, als in unserer Nähe ein Wal auftauchte. Es war immer wieder von neuem ein unglaubliches Erlebnis durch die antarktische Landschaft zu paddeln. Durch den mystischen Lemaire Channel ging es weiter nach Port Lockroy, der britischen Forschungsstation und gleichzeitig der südlichsten Poststelle der Welt. Wir versendeten einige Postkarten, verbrachten aber die meiste Zeit auf dem Wasser mit paddeln.

Am 2. Dezember verbrachten wir unseren letzten Tag in der Antarktis. Die Sea Spirit fuhr bereits wieder etwas nördlich. Bei Hydrurga Rocks paddelten wir ein letztes Mal in polaren Gewässern und beobachteten die Seehunde und Pinguine auf den Felsen. Nachmittags konnten wir bei Sonnenschein in Mikkelson Harbour eine letzte Landung mitmachen. Die Drakepassege zurück war erstaunlich ruhig. Vielleicht lag es einfach auch daran, dass wir uns ans Schaukeln etwas gewöhnt hatten oder am hohen Konsum der Seekrankheitspillen. Die Schiffsärztin erzählte uns zum Schluss der Reise, dass mit 1000 Pillen unsere Reisegruppe einen neuen Verbraucherrekord aufgestellt hätte!

In all diesen oben beschriebenen Orten stecken viele Erinnerungen an Erlebnisse und Gefühle. Es ist unmöglich in Beschreibungen der Antarktis gerecht zu werden. Viele verschiedene Faktoren beeinflussen eine solche Reise und machen sie einzigartig. Wir lernten viele tolle Leute kennen, hatten eine tolle Crew mit unglaublichem Fachwissen an Board und letztendlich auch Wetterglück. Die Antarktis zeige sich von ihrer besten Seite. Wir erlebten Schnee, Wind, Regen, Sonne, Windstille, Nebel, Wolken oftmals abwechselnd mehrmals am Tag. Wir möchten all diesen Leuten danken, welche zu unserem unvergesslichen Erlebnis beigetragen haben.